13 Frauenverbände fordern verbindliche Geschlechterdifferenzierung in Registern und KI-Systemen

13 Frauenverbände fordern, die Kategorie „Geschlecht“ als Pflichtstandard in Gesundheitsdaten zu verankern, bevor KI-Systeme bestehende Versorgungslücken dauerhaft festschreiben…

24. September 2026
  • Data und KI
  • Politik

KI-Systeme im Gesundheitswesen drohen bestehende Datenlücken bei der Frauenversorgung nicht zu schließen, sondern zu beschleunigen. Das war die zentrale Warnung beim Parlamentarischen Abend des „Runden Tisches der Frauen im Gesundheitswesen“ am 22. September 2026 in Berlin, zu dem 13 Frauenverbände ihren gemeinsamen Appell formulierten.

Prof. Sylvia Thun, Direktorin der Core Unit eHealth and Interoperability am Berlin Institute of Health der Charité, machte das Problem konkret: KI lerne aus historischen Daten. Viele Arzneimittelstudien zu Medikamenten, die vor 1995 zugelassen wurden, hätten geschlechtsspezifische Wirkungsunterschiede weder erfasst noch untersucht. Daraus abgeleitete Dosierungen seien möglicherweise falsch und würden dennoch als Trainingsmaterial für neue KI-Modelle genutzt. Zwar sei das Thema in der Forschung seit sieben Jahren mit fast 5.000 Veröffentlichungen präsent, die strukturellen Lücken in den Daten blieben jedoch bestehen.

Brenya Adjei, Geschäftsführerin der gematik, verknüpfte die Forderung mit der laufenden Digitalisierung, da die elektronische Patientenakte die Dateninfrastruktur für die nächsten zwanzig Jahre festlegt. Wer geschlechtsspezifische Auswertbarkeit jetzt nicht einplane, schreibe die Lücke dauerhaft in die Systemarchitektur ein. Entwicklerteams müssten stärker mit Frauen besetzt werden, da dort definiert werde, was entwickelt wird.

Christiane Groß, Ehrenpräsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, ordnete ein, dass geschlechtersensible Versorgung kein Spezialthema sei, sondern ein Qualitätsmerkmal guter Medizin.

Thun kritisierte, dass die Selbstverwaltung keinen gemeinsamen Speicherort für Gesundheitsdaten gefunden habe. Die Daten lägen dezentral, teils bei Universitäten, teils in geschlossenen Datenzentren, teils im Forschungsdatenzentrum beim BfArM. Sie plädierte für gemeinsame Forschung mit Fachgesellschaften statt Einzellösungen je Krankenkasse. Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, warb für Vertrauen in die Krankenkassen, mahnte aber, die Entwicklung staatlicher Datenkontrolle im Blick zu behalten.

Quelle:
aerzteblatt.de

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