7,6 Betten je 1.000 Einwohner: Warum Deutschlands Klinikstruktur dem medizinischen Fortschritt hinterherhinkt

Zwischen 53 und 58 Prozent der stationären Fälle in deutschen Kliniken wären laut Krankenhausreport 2026 des WIdO ambulant behandelbar. Kleine Häuser geraten dadurch unter Druck…

27. Juli 2026
  • Ökonomie

Der Krankenhausreport 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) belegt, dass 53 bis 58 Prozent der derzeit stationär versorgten Fälle in Deutschland ebenso gut ambulant behandelt werden könnten. Besonders hoch ist das Potenzial in der Inneren Medizin und der Allgemeinchirurgie: 42 Prozent der Belegungstage und 39 Prozent der Krankenhauskosten ließen sich demnach einsparen.

Deutschland hatte im Jahr 2023 noch 7,6 Krankenhausbetten je 1.000 Einwohner. Die Schweiz kam auf 4,4, Dänemark auf 2,4. Die Klinikstruktur hat mit dem medizinischen Fortschritt nicht Schritt gehalten. Eingriffe wie eine Leistenbruch-Operation erfordern heute keinen stationären Aufenthalt mehr.

Da Innere Medizin und Allgemeinchirurgie das Angebot kleiner Flächenkliniken prägen, stellt sich deren Zukunft als stationäre Einrichtungen grundsätzlich in Frage. Geringere Fallzahlen sind statistisch mit niedrigerer Behandlungsqualität verbunden. Mindestmengenregelungen sollen dem entgegenwirken. Kliniken dürfen bestimmte Leistungen nur anbieten, wenn sie eine Mindestzahl an Fällen pro Jahr nachweisen können.

Eine Forsa-Umfrage im Februar für die Techniker Krankenkasse in Mecklenburg-Vorpommern ergab, dass 88 Prozent der Befragten im Bedarfsfall eine spezialisierte, weiter entfernte Klinik einer wohnortnahen vorziehen würden. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft begrüßt die Ambulantisierung grundsätzlich, warnt jedoch vor einem Wandel ohne tragfähige strukturelle, finanzielle und qualitative Rahmenbedingungen.

Quelle:
sonntagsblatt.de

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