Deutschland auf Platz 17 von 18: Berliner Präventionskongress zeigt, wie weit das Land hinter Europa zurückliegt

Beim zweiten Berliner Präventionskongress stand ein ernüchternder Befund im Mittelpunkt: Im europäischen Vergleich belegt Deutschland beim Thema Prävention Platz 17 von 18. Was das für das Gesundheitssystem bedeutet…

16. September 2026
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Deutschland rangiert beim Thema Prävention auf Platz 17 von 18 im europäischen Vergleich. Kongressleiterin Prof. Dr. Iris Hauth nannte diese Zahl beim zweiten Berliner Präventionskongress vor mehr als 300 Teilnehmenden „erschreckend“. Als Ursachen benannte sie eine alternde Gesellschaft, wachsenden Fachkräftemangel und das Fehlen einer verbindlichen, ressortübergreifenden Präventionsstrategie.

Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen vom Friede Springer – Cardiovascular Prevention Center der Charité belegte das Defizit am Beispiel von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Deren Entstehung beginnt oft im Jugendalter, bleibt jahrelang unbemerkt und wird erst durch einen Herzinfarkt sichtbar. Die Herzinfarkt-Mortalität liegt in Deutschland höher als in westeuropäischen Nachbarländern.

Ein zentrales Hemmnis ist der politische Zeithorizont. Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach räumte ein, die Ergebnisse des von ihr initiierten bayerischen Präventionsplans voraussichtlich nicht mehr im Amt zu erleben. Prof. Dr. Roland Eils vom Berlin Institute of Health der Charité bezifferte das Missverhältnis: Legislaturperioden dauern vier bis fünf Jahre, relevante Präventionserfolge zeigen sich erst nach 15 bis 20 Jahren.

Bundestagsabgeordnete Simone Borchardt (CDU) benannte den Konstruktionsfehler: „Unser ganzes System ist auf Krankheit ausgerichtet. Jeder verdient Geld, wenn jemand eine Therapie braucht.“ Millionen Abrechnungsdaten der Krankenkassen bleiben für personalisierte Risikoprognosen weitgehend ungenutzt.

Konkrete Ansätze zeigten mehrere Projekte: Die Langzeitstudie LUCAS begleitet seit 2000 Personen ab 60 Jahren. Das Angebot Sundi von Bosch Health Campus und Charité nutzt KI-gestützte Beratung ab 55 Jahren. Die Charité plant mit „Charité Health“ ein personalisiertes Präventionsmodell für Beschäftigte. Erstmals vergeben wurde der Glory in Prevention Award in den Kategorien Stadt & Land, Medizin und Arbeitswelt.

Quelle:
hcm-magazin.de

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