GKV-Reform zwingt Kliniken zum Umdenken: Wie der neue Risikokreislauf Millionenverluste auslöst
Ab 2027 steigen Prüfquoten, Aufschläge und der Prüfzugriff des MD gleichzeitig. Zusammen erzeugen sie einen Rückkopplungseffekt, der Kliniken wirtschaftlich, personell und organisatorisch unter erheblichen Druck setzt…
- MD
- Politik
- Ökonomie
Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz schafft ab 2027 kein schärferes Einzelinstrument, sondern ein System mit Multiplikator- und Rückkopplungseffekt. Wer die drei Änderungen isoliert betrachtet, unterschätzt ihre kombinierte Wirkung.
Bereits seit dem 30. Juli 2026 verpflichtet § 17c Absatz 1 Krankenhausfinanzierungsgesetz den Medizinischen Dienst, im Rahmen einer Prüfung festgestellte weitere abrechnungsrelevante Auffälligkeiten einzubeziehen, auch wenn sie nicht Anlass der Einschaltung waren. Die Risikofläche je Prüffall wächst damit strukturell.
Ab 2027 steigt die Aufschlagsschwelle von 60 auf 80 Prozent Unbeanstandetenquote, der Aufschlag je geminderter Abrechnung von 400 auf 500 Euro. Die Aufwandspauschale bei unbeanstandeten Prüfungen steigt ebenfalls auf 500 Euro, gleicht das finanzielle Risiko aber nicht aus.
Die Rückkopplung entsteht so: Mehr Prüfungen mit mehr Angriffspunkten je Fall erzeugen mehr Minderungsentscheidungen, die Unbeanstandetenquote sinkt, die Prüfquote des übernächsten Quartals steigt. Ein fiktives Rechenbeispiel auf Basis von 36.000 stationären Fällen, 60 Prozent Unbeanstandetenquote und 2.500 Euro durchschnittlicher Minderung ergibt zusätzliche Rückzahlungen von 8,2 Millionen Euro jährlich.
Höhere Prüfvolumina binden zudem knappes Fachpersonal aus Medizin, Pflege, Kodierung und Recht. Andreas Wenke und Prof. Dr. med. Dominik Franz, beide Geschäftsführer der Franz + Wenke GmbH, benennen sechs strategische Aufgaben: belastbare Datenbasis aufbauen, internen Zielwert mit Sicherheitsabstand zur gesetzlichen Schwelle festlegen, Verlustursachen priorisieren, Dokumentation am Entstehungsort verbessern, Unterlagen fachlich begründet versenden sowie Fallstrategie, Kapazität und Zuständigkeiten klar regeln.
Gebündelt, stets aktuell und immer handverlesen werden alle Neuigkeiten gesammelt und anwenderbezogen aufbereitet.