Wie Krankenhäuser Abhängigkeiten von Cloud- und KI-Anbietern verringern

Krankenhäuser können technologische Abhängigkeiten mit offenen Standards, modularen Systemen und geplanter Daten- und IT-Governance verringern. Eine BCG-Studie zeigt wachsenden Handlungsdruck…

6. Oktober 2026
  • Data und KI
  • Digitale Klinik

Technologische Souveränität wird für Krankenhäuser zur Architektur- und Führungsaufgabe. Geopolitische Spannungen, außereuropäische Anbieter sowie Anforderungen an Datenschutz, Resilienz und Versorgungssicherheit erhöhen den Druck, Abhängigkeiten bei Cloud-Infrastrukturen und KI-Modellen zu verringern. Europäische Lösungen sollen Interoperabilität, Datenschutz und Regelkonformität sichern, erfordern aber Investitionen, Kooperationen und Unterstützung.

43 Prozent der befragten hochrangigen Führungskräfte in Deutschland investieren in die Reduzierung ihrer Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern. Weitere 36 Prozent planen dies. Innovationszyklen, Konzernskaleneffekte und der fragmentierte europäische Markt erschweren souveräne Alternativen. Souveränität muss deshalb graduell und risikobasiert geplant werden.

Krankenhäuser brauchen offene Standards, modulare, austauschbare und auditierbare Systeme, Daten-Governance und Zero-Trust-Security. Standort- und Zugriffskontrollen, Container, Infrastructure as Code, getrennte Daten-, Plattform- und Applikationsschichten sowie Exit-Szenarien sollen Vendor Lock-in begrenzen. Multi-Cloud und Hybrid-Cloud helfen nur bei interoperablen Schnittstellen, Identitäten und Betriebsprozessen. Verträge, Cloud-Kosten und bindende Managed Services im Kernsystem sind zu prüfen und bewusst zu reduzieren.

Nötig sind sichere Cloud- und Edge-Infrastrukturen, interoperable Datenräume, Plattformen für vertrauenswürdige KI sowie Kompetenzen in Datenmanagement, KI-Governance und IT-Sicherheit. GAIA-X und der European Health Data Space sollen stärker operationalisiert und in Krankenhaus-IT integriert werden. CIOs und CDOs müssen politische Zielbilder in Architekturentscheidungen übersetzen, Risiken bewerten und Souveränitätsstrategien entwickeln.

48 Prozent sind optimistisch, dass in Europa in fünf Jahren ein global wettbewerbsfähiges KI- und Tech-Ökosystem entsteht. 53 Prozent nennen die technische KI-Grundlage von Rechenleistung bis Dateninfrastruktur als wichtigste Stellschraube, 52 Prozent die Skalierung und wirtschaftliche Nutzung von KI und 42 Prozent schnellere, innovationsfreundlichere Regulierung. Die Studie wurde vom 1. April bis 8. Mai 2026 von Statista Research im Auftrag von BCG durchgeführt.

Quelle:
krankenhaus-it.de

Medinfoweb
Die etablierte Informationsplattform für Informatik, Ökonomie, Marketing und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen.

Gebündelt, stets aktuell und immer handverlesen werden alle Neuigkeiten gesammelt und anwenderbezogen aufbereitet.