Sexismus und Machtmissbrauch in Kliniken: Warum sich trotz Debatte wenig ändert

Eine Befragung des Marburger Bundes zeigt, dass 49 Prozent der Ärztinnen und Ärzte von Machtmissbrauch betroffen sind. Starre Hierarchien in der Facharztausbildung gelten als Ursache, doch die Landesärztekammern sind bei Reformen uneinig…

7. Oktober 2026
  • QM

Starre Hierarchien in deutschen Kliniken begünstigen systematisch Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung. Das belegt eine Befragung des Marburger Bundes unter rund 9.000 Ärztinnen und Ärzten. 49 Prozent berichten von Mobbing, Schikane oder Erniedrigung, 13 Prozent von sexueller Belästigung. In 87 Prozent der Fälle gingen die Übergriffe von Vorgesetzten aus, überwiegend von Männern.

Besonders betroffen ist die Chirurgie. Angehende Fachärzte müssen eine vorgeschriebene Zahl an Operationen nachweisen. Vorgesetzte entscheiden, wer operieren darf, und können den Facharztabschluss verzögern oder verhindern. Obwohl rund 70 Prozent der Medizinstudierenden weiblich sind, liegt der Männeranteil in Herz- und Neurochirurgie bei etwa 80 Prozent.

Der Marburger Bund hat Reformvorschläge vorgelegt, darunter verbindliche Lehrpläne und Weiterbildungsteams mit begrenzter Teilnehmerzahl. Rechtsverbindlich umsetzen müssen das die 17 Landesärztekammern. Berlin und Schleswig-Holstein gelten als Vorreiter. Sachsen lehnt mehrere Vorschläge ab und warnt vor zusätzlicher Bürokratie. Andere Kammern setzen auf Ombudsstellen und Schlichtungsverfahren.

Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt fordert Sanktionen, hält die Abhängigkeit in der Ausbildung aber für nur begrenzt veränderbar. Der nächste Deutsche Ärztetag soll sich erneut mit dem Thema befassen.

Quelle:
tagesschau.de

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