BIH-Report empfiehlt hybride Versorgungspfade von der Prävention bis zum gesunden Altern

Der BKK-Dachverband sieht in der Digitalisierung erhebliche Potenziale für Ressourceneffizienz, Versorgungsqualität und Teilhabe. Die Potenziale lassen sich nur heben, wenn Digitalisierung bedarfsorientiert und unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten vorangetrieben wird…

26. Oktober 2026
  • Data und KI
  • Digitale Klinik

Entscheidend ist, ob digitale Anwendungen messbar zu einer besseren Versorgung beitragen und konkrete Mehrwerte für Leistungserbringende bieten. Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK-Dachverbands, betont, dass digitale Anwendungen einen Energie- und Ressourcenverbrauch verursachten und verantwortungsvoll eingesetzt werden müssten. Mehr Technik allein macht die Versorgung weder besser noch ressourcenschonender.

Im Auftrag des BKK-Dachverbands hat das Berlin Institute of Health at Charité (BIH) den Report „Nachhaltigkeit durch Digitalisierung im Gesundheitswesen“ erarbeitet. Er empfiehlt, Versorgung weder rein analog noch rein digital zu denken. Priorisiert werden sollten substitutionsstarke hybride Versorgungspfade, die nachhaltig digital wirken und analoge und digitale Bausteine verbinden. Dieser Anspruch gilt über die gesamte Versorgungskette, von der Prävention über die bedarfsgerechte Versorgung bis zum gesunden Altern.

Eine zentrale Voraussetzung nachhaltiger digitaler Versorgung ist die Vernetzung zwischen Leistungserbringenden, Kostenträgern, Patienten und Politik im Rahmen eines „Versorgungsökosystems“. Interoperabilität und Datenqualität müssen technisch, vertraglich und steuernd verankert werden. Die gesetzliche Krankenversicherung sollte beide Aspekte prioritär als Vertrags- und Steuerungsziele etablieren.

Perspektivisch braucht es einen akzeptierten Maßstab, um Nachhaltigkeitsaussagen zu digitalen Angeboten verbindlich und vergleichbar zu treffen. Die Studie plädiert daher für die Erarbeitung, Erprobung und Etablierung eines Kernsets tragfähiger Kennzahlen zur nachhaltigen Nutzenbewertung. Als wesentliches Nachhaltigkeitskriterium müsse umfassende digitale Teilhabe prioritär verankert werden.

Nachhaltig wirkt eine Technologie nach Ansicht des Studienteams durch ihre Einbettung in einen Versorgungspfad. Telemedizin, elektronische Patientenakte (ePA), digitale Medizinprodukte und Künstliche Intelligenz (KI) könnten Mehrwerte liefern, aber auch Zusatznutzung, eine größere Dokumentationslast, Exklusion oder neue ökologische Lasten auslösen. Um solche Folgen auszuschließen, sollten betroffene Akteure früh bei Aspekten wie Indikation, Arbeitsablauf, Rückbindung, Teilhabe und Messbarkeit eingebunden werden.

Quelle:
aerzteblatt.de

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