Neue Ansätze für Sepsis, Schmerz und Reanimation: DGAI fördert Forschung mit mehr als 150.000 Euro
Beim Jahreskongress 2026 in Kassel ehrt die DGAI Arbeiten aus Anästhesie, Intensivmedizin, Schmerzmedizin, Pflege und Lehre mit Preisen und Stipendien in Höhe von insgesamt 150.000 Euro…
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Wie lassen sich akute Nierenschädigungen nach großen Operationen verhindern? Welche Rolle spielt das Darmmikrobiom bei chronischen Schmerzen? Und kann die Reaktion auf potenziell schmerzauslösende Reize bei Neugeborenen und kleinen Kindern während einer Narkose künftig objektiver erfasst werden? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) beim Jahreskongress 2026 in Kassel ausgezeichnet hat.
Insgesamt vergab die Fachgesellschaft Preise und Forschungsstipendien in Höhe von insgesamt 150.000 Euro für Arbeiten und Projekte aus der Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin, Schmerzmedizin sowie aus den Bereichen Pflege und Lehre. Die Auszeichnungen zeigen dabei nicht nur die wissenschaftliche Breite des Fachgebiets. Mehrere Stipendien ermöglichen zugleich die weitere Erforschung neuer Ansätze, die langfristig die Versorgung und Sicherheit von Patientinnen und Patienten verbessern könnten.
Zu den höchstdotierten Förderungen gehört der in diesem Jahr erstmals verliehene Wilfried und Mira Philipp Forschungspreis der DGAI. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis ging an Dr. Sebastian Pantke von der Medizinischen Hochschule Hannover. Er untersucht, wie das Darmmikrobiom die Aktivität schmerzrelevanter Nervenzellen beeinflusst und ob sich daraus langfristig neue Ansätze zur Behandlung chronischer Schmerzen ergeben könnten.
Mit dem mit bis zu 50.000 Euro dotierten Dierichs-Forschungsstipendium fördert die DGAI PD Dr. Benedikt Schick vom Universitätsklinikum Ulm. In seinem Projekt „NOL-MINI“ untersucht er, ob sich die körperliche Reaktion auf potenziell schmerzauslösende Reize bei Früh- und Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern während einer Narkose objektiver erfassen lässt.
Von Sepsis und Nierenschutz bis zur sicheren Beatmung
Weitere ausgezeichnete Arbeiten beschäftigen sich mit zentralen Fragestellungen der Intensiv- und perioperativen Medizin. Priv.-Doz. Dr. Thilo von Groote vom Universitätsklinikum Münster erhielt den Heinrich-Dräger-Preis für eine große internationale Studie zur Prävention akuter Nierenschädigungen nach großen Operationen. Dr. Britta Westhus vom Knappschaft Kliniken Universitätsklinikum Bochum wurde mit dem DGAI-Forschungsstipendium der Fresenius-Stiftung für ihre Forschung zu gestörten Vorgängen in den Mitochondrien bei einer Sepsis ausgezeichnet.
Den Karl-Thomas-Preis teilen sich Prof. Dr. Agnes Meidert vom LMU Klinikum München und Dr. Jakob Wittenstein vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Ihre Arbeiten liefern neue Erkenntnisse zur Blutdrucksteuerung bei großen Operationen beziehungsweise zur Beatmung während thoraxchirurgischer Eingriffe.
Der Franz-Köhler Inflammation Award ging an Priv.-Doz. Dr. Christina Scharf-Janßen vom LMU Klinikum München für ihre langjährige Forschung zu Infektionen und Entzündungsreaktionen bei kritisch kranken Patientinnen und Patienten. Mit dem Promotionspreis zeichnete die DGAI Dr. Charlotte Schonhart von der Universitätsmedizin Mainz für ihre Forschung zur Rolle von Blutplättchen bei Entzündungsprozessen während einer akuten Lungenschädigung aus.
Neue Ansätze für Notfallmedizin und Reanimation
Auch die präklinische Versorgung bildete einen Schwerpunkt der diesjährigen Auszeichnungen. Den BINZ Forschungsförderpreis teilen sich Anja Laska vom LMU Klinikum München und Dr. Tore Marks von der Universitätsmedizin Greifswald. Laska untersucht einen Sensor im Ohr zur kontinuierlichen Erfassung wichtiger Vitalparameter bei Notfallpatientinnen und -patienten. Marks erforscht, welche Faktoren dazu beitragen, dass ehrenamtliche Ersthelfende langfristig in Smartphone-basierten Alarmierungssystemen aktiv bleiben.
Mit zwei weiteren Auszeichnungen rückten die strukturellen Voraussetzungen einer erfolgreichen Reanimationsversorgung in den Fokus. Der Deutsche Reanimationspreis ging an die AG Translationale Reanimationsforschung des Universitätsklinikums Bonn mit Sophie L’habitant und Priv.-Doz. Dr. Florian Piekarski. Ihre Studie untersucht, welchen Einfluss die Größe eines Rettungsteams darauf hat, wie schnell zeitkritische Maßnahmen während einer Reanimation durchgeführt werden können.
Wie entscheidend neben der personellen Ausstattung auch die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sein kann, zeigt die mit dem Rudolf-Frey-Preis für Notfallmedizin ausgezeichnete Arbeit der Arbeitsgruppe Strukturfragen der Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften Notärzte Deutschlands (BAND). Sie weist deutliche regionale Unterschiede bei den Eintreffzeiten nach einem außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand auf und zeigt deren Bedeutung für das Überleben.
Auch Versorgung und Lehre ausgezeichnet
Dass Fortschritt nicht allein im Forschungslabor entsteht, zeigen zwei weitere Auszeichnungen. Das Interprofessionelle Delir Team des TUM Klinikums Rechts der Isar erhielt den Pflegeförderpreis der DGAI für die Einführung eines systematischen postoperativen Delirmanagements für ältere Patientinnen und Patienten.
Der Thieme Teaching Award ging an die Projektgruppe „Game Challenge“. Das Team verbindet medizinische Wissensvermittlung mit Elementen aus Gesellschafts- und Alltagsspielen und setzt dabei gezielt auf Wettbewerb, Kooperation und Teamarbeit.
Mit dem Sintetica-Forschungsstipendium für Regionalanästhesie fördert die DGAI zudem Dr. Thomas Komanek vom St. Anna Hospital Herne. Er untersucht die sogenannte PENG-Blockade als Verfahren zur Schmerzbehandlung nach dem Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks.
„Fortschritt in der Medizin beginnt mit guten Ideen. Mit ihren Preisen und Stipendien macht die DGAI herausragende wissenschaftliche Leistungen sichtbar und fördert eine Forschungskultur, die neue Perspektiven für die Versorgung von Patientinnen und Patienten eröffnet“, sagt DGAI-Präsident Prof. Dr. Gernot Marx.
Die DGAI gratuliert allen ausgezeichneten Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern und Projektgruppen und dankt den Stiftungen und Unternehmen, die mit der Bereitstellung der Preise und Forschungsstipendien die wissenschaftliche Arbeit und die Entwicklung neuer Versorgungskonzepte unterstützen.
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