Schulterprothesen: Komplikationsrate in schwächsten Kliniken vier Mal so hoch wie in Top-Häusern

Bei AOK-Versicherten liegt laut WIdO die risikoadjustierte Komplikationsrate für Schulterprothesen im schwächsten Fünftel der Kliniken viermal so hoch wie im besten Fünftel…

27. Oktober 2026
  • QM

Die Qualität bei der Implantation künstlicher Schultergelenke wegen Gelenkverschleiß unterscheidet sich zwischen den Kliniken deutlich. Dazu sind gestern die Ergebnisse einzelner Kliniken erstmals im AOK-Gesundheitsnavigator zum Abruf bereitgestellt worden.

Im Verfahren „Qualitätssicherung mit Routinedaten“ (QSR) analysierte das WIdO 12.844 Fälle von AOK-Versicherten. Die Operationen fanden 2020 bis 2024 an 178 Klinikstandorten statt.

Im Fünftel der am besten abschneidenden Kliniken lag die risikoadjustierte Komplikationsrate bei 3,6 Prozent. Im Fünftel der am schlechtesten bewerteten Kliniken betrug sie 14,5 Prozent und war damit viermal so hoch. Die durchschnittliche Gesamt-Komplikationsrate aller Kliniken lag bei 8,6 Prozent.

Ungeplante Folge-Operationen innerhalb eines Jahres kamen bei 4,5 Prozent der Operierten vor. Sie werden erforderlich, wenn sich das Operationsgebiet entzündet oder die Prothese lockert. Chirurgische Komplikationen wie Infektionen der Prothese, Gefäßverletzungen, Knochenbrüche oder das Ausrenken des Gelenks traten in 7,1 Prozent der Fälle auf.

Eine Modellrechnung des WIdO zeigt, dass rund 320 Komplikationsfälle hätten vermieden werden können, wenn alle rund 3.200 Fälle aus unterdurchschnittlich bewerteten Kliniken in überdurchschnittlich abschneidenden Kliniken behandelt worden wären. Das entspricht rund 10 Prozent dieser Fälle.

Bei vielen Menschen führt der Verschleiß des Schultergelenks mit zunehmendem Alter zu schmerzhaften Beschwerden, die oft nur durch ein künstliches Gelenk gelindert werden können. Der Eingriff wurde im vergangenen Jahr in Deutschland rund 37.000 Mal durchgeführt. Damit kommt er seltener vor als Hüftimplantationen mit rund 290.000 Eingriffen 2025. Die Fallzahlen wachsen in den letzten Jahren deutlich.

Die AOK bietet Qualitätsinformationen zu 14 Behandlungen. Die Risikoadjustierung berücksichtigt Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen. Expertenpanels mit klinisch tätigen Fachärztinnen und Fachärzten entwickeln das Verfahren weiter.

Quelle:
wido.de

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