Entlassmanagement in der Fläche bleibt hinter dem Anspruch zurück

Elf Jahre nach Einführung des Entlassmanagements bleiben Standards, Zuständigkeiten und Kommunikation in der Anschlussversorgung unzuverlässig. Eine Metastudie der Hochschule Stralsund attestiert Kliniken deutliche Defizite bei der Organisation der Nachsorge…

30. Oktober 2026
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Das Entlassmanagement ist seit 2015 verpflichtend, eine flächendeckend funktionierende Anschlussversorgung gibt es laut Professorin Ivonne Honekamp aber weiterhin nicht. Die Umsetzung in der Fläche bleibt Zufall, trotz erheblicher Investitionen in die digitale Kommunikation.

Das Universitätsklinikum Freiburg nutzt ein Portal für das Entlassmanagement, das die Kommunikation mit Reha-Kliniken erleichtert. Der Cardiolotse der AOK Nordost, der chronisch Herzkranke an zehn Kliniken in Berlin und Brandenburg bis zu zwölf Monate berät, gehört zu den wenigen Projekten des Innovationsfonds, die in die Versorgung übernommen wurden.

Die Hochschule Stralsund wertete 30 Forschungsarbeiten aus. Die Defizite reichen laut der Studie von der Umsetzung gesetzlicher Vorgaben über die Ressourcenzuteilung bis zur Standardisierung und Evaluation.

Besonders betroffen sind ältere, alleinlebende, multimorbide oder pflegebedürftige Menschen. Dazu kommen fehlende Pflegeplätze, Entlassungen vor Wochenenden und Feiertagen sowie in ländlichen Regionen häufig fehlende Angebote. Mehr als ein Drittel der Befragten in Mecklenburg-Vorpommern gibt an, dass ihr Krankenhaus noch keine digitalen Tools nutzt.

Digitale Projekte liefern gemischte Ergebnisse. Die USER-Studie senkte die Wiederaufnahmerate um 13,5 Prozent, den Zielwert von 20 Prozent erreichte sie aber nicht. Verständliche Patientenbriefe im PASTA-Projekt verbesserten die Gesundheitskompetenz signifikant.

Honekamp nennt verbindliche Standards, klare Zuständigkeiten, Case Manager oder Lotsen für komplexe Fälle sowie interoperable digitale Lösungen. Digitalisierung ersetzt aber weder Versorgungskapazitäten noch verlässliche Kooperationen. Die Politik sollte das Entlassmanagement als sektorenübergreifende Versorgungsaufgabe verstehen.

Quelle:
aok.de

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