Allensbach-Umfrage: 61 Prozent der Bevölkerung misstrauen der Gesundheitspolitik

Das Vertrauen in die Gesundheitspolitik hat laut einer Allensbach-Umfrage den schlechtesten Wert seit 2009 erreicht. Mehrere politische Entscheidungen verschärfen diesen Trend…

23. Juli 2026
  • Politik

61 Prozent der Bevölkerung haben keinen guten Eindruck mehr von der Gesundheitspolitik. Das ist laut einer Allensbach-Umfrage vom Mai dieses Jahres der schlechteste Wert seit 2009. Das Vertrauen in die behandelnden Ärztinnen und Ärzte bleibt mit rund 82 Prozent dagegen außergewöhnlich hoch.

Chefredakteur des Deutschen Ärzteblatt, Michael Schmedt, benennt mehrere politische Entscheidungen, die diesen Vertrauensverlust verstärken. Die geplante Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag wertet er als Signal des Misstrauens gegenüber Arbeitnehmern. Die Datenlage stütze diese Maßnahme nicht: Weniger als ein Prozent der Krankschreibungen erfolgt telefonisch, rund 40 Prozent entfallen auf chronische Erkrankungen.

Das beschlossene Gesetz für Daten und Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) sieht Schmedt als weiteres Risiko. Die Möglichkeit, Krankenkassen individuelle Gesundheitsrisiken einordnen und patientenbezogene Handlungsempfehlungen aussprechen zu lassen, gefährde die Arzt-Patienten-Beziehung. Ärztliche Vertreter lehnten dies einhellig ab.

Hinzu kommt, dass die Honorierung psychotherapeutischer Behandlungen sinkt, obwohl deren Zahl kontinuierlich steigt. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz belastet Gesundheitsberufe und Patientinnen und Patienten gleichermaßen. Schmedt kritisiert, dass die Regierung dieses Sparpaket als große Gesundheitsreform kommuniziert, obwohl noch nicht gesichert ist, ob die Beitragssätze für 2027 tatsächlich stabil bleiben.

Kommende Strukturreformen wie die Notfallreform und ein Primärversorgungssystem könnten das Vertrauen zurückgewinnen. Dafür müsse die Politik aber ehrlich über Kosten und Ziele kommunizieren.

Quelle:
aerzteblatt.de

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