Ambulante Versorgung braucht Systemwechsel – Wissenschaft fordert neue Strukturen

Für eine zukunftsfähige ambulante Versorgung schlagen Gesundheitsökonomen neue Versorgungsmodelle, faire Vergütungssysteme und funktionierende Hausarztverträge vor. Besonders im ländlichen Raum braucht es intersektorale Primärzentren, flankiert von transparenten Pauschalen und empirisch kalkulierten Leistungen.

24. April 2025
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Die ambulante Versorgung gewinnt an Bedeutung – doch strukturell fehlt es vielerorts an einem zeitgemäßen Fundament. Gesundheitsökonomen Jonas Schreyögg und Robert Messerle fordern deshalb einen grundlegenden Umbau. Im Zentrum ihrer Vorschläge stehen neue Versorgungsformen wie intersektorale Primärversorgungszentren für chronisch kranke und ältere Patienten sowie die Modernisierung der Vergütungslogik. Statt starrer Einzelabrechnung plädieren sie für Jahrespauschalen – ergänzt um Shadow Billing zur Sicherung der Transparenz. Eine empirische Kalkulation der Leistungen im EBM sei unerlässlich, da aktuell mehr als die Hälfte der Bewertungsgrundlagen normativ verhandelt werde. Auch die geringe Teilnahmequote an Hausarztverträgen sehen sie kritisch. Um Versorgungslücken zu schließen, sei eine strukturelle Integration dieser Modelle in die Regelversorgung notwendig. Die Autoren erkennen Reformschritte wie hybride DRGs und Vorhaltevergütungen an – halten sie jedoch für unzureichend. Die Zukunft verlange interdisziplinäre, sektorenübergreifende Lösungen mit klarer Steuerung.

Was mich überzeugt: der Perspektivwechsel. Es geht nicht um einzelne Berufsgruppen oder Interessengruppen, sondern um die Versorgung als Ganzes – verlässlich, integrativ, vorausschauend. Genau daran mangelt es vielen aktuellen Reformansätzen. Die beiden Autoren liefern ein solides Konzept für das, was wir brauchen: funktionierende Strukturen statt punktueller Flickenteppiche.

Quelle:

aok.de


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