Ambulantisierung als Ausweg: Warum ein Drittel der stationären Fälle künftig anders versorgt werden muss

Krankenhausreform und GKV-Stabilisierungsgesetz belasten Kliniken gleichzeitig. Bis 2030 droht eine Nettobelastung von 7,3 Mrd. Euro jährlich, rund 49 Prozent der Standorte stehen vor der Insolvenz…

25. Juni 2026
  • Ökonomie

Deutschlands Krankenhäuser geraten zwischen zwei gegenläufige Gesetzgebungsvorhaben. Das KHVVG/KHAG fordert Qualitätskonzentration und Ambulantisierung, während das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz massive Einsparungen erzwingt. Meike Thun und Katharina Stigge vom BAB Institut Hamburg beschreiben diese Konstellation als „Regulierungsfalle„.

Die finanziellen Folgen sind konkret: Bis 2030 beziffern Prognosen die jährliche Nettobelastung auf 7,3 Mrd. Euro. Unter Einrechnung wegfallender Ausgleichszahlungen steigt der reale Mittelentzug auf über 9 Mrd. Euro. Rund 49 Prozent der Standorte stehen damit an der Grenze zur Insolvenz, besonders betroffen sind die ländliche Versorgung sowie Fachbereiche wie Geburtshilfe und Pädiatrie.

Für die 1,4 Mio. Krankenhausbeschäftigten droht ein Stellenabbau von bis zu 10 Prozent außerhalb des Pflegebudgets. Die begrenzte Tarifrefinanzierung erhöht das Risiko einer Tarifflucht der Arbeitgeber und verschärft den Fachkräftemangel. Im Pflegebereich entfällt zudem die bisherige Pauschale von 2,5 Prozent für Entlastungsmaßnahmen.

Zusätzlichen Druck erzeugt die aktuelle Rechtsprechung zum Rufbereitschaftsdienst. Die geforderte unmittelbare Patientenverfügbarkeit würde die Umwandlung in Bereitschaftsdienste erzwingen, rund 4,3 Facharztstellen pro Dienst erfordern und die Kliniken nach Expertenschätzung weitere 1,7 Mrd. Euro kosten.

Als zentralen Ausweg sehen die Autorinnen die Ambulantisierung. Schätzungsweise ein Drittel der stationären Fälle wird in den ambulanten Sektor verlagert. Kliniken müssen tragfähige ambulante Geschäftsmodelle entwickeln und Prozesse über SPOs sektorenübergreifend synchronisieren. Krankenhausträger, Arbeitgeber und Gewerkschaften arbeiten derzeit gemeinsam daran, das Gesetz in seiner geplanten Form zu verhindern.

Quelle:
ku-gesundheitsmanagement.de

Medinfoweb
Die etablierte Informationsplattform für Informatik, Ökonomie, Marketing und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen.

Gebündelt, stets aktuell und immer handverlesen werden alle Neuigkeiten gesammelt und anwenderbezogen aufbereitet.