Ambulantisierung in der Schweiz: Warum die Reform mehr Risiken verschiebt als Kosten spart
Ambulantisierung verlagert nicht nur Leistungen, sondern auch finanzielle, operative und organisatorische Risiken auf ambulante Leistungserbringer. Resilienz, Führungskompetenz und Digitalisierung werden dabei zu zentralen Erfolgsfaktoren…
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Ambulantisierung ist auch in der Schweiz kein Randthema, sondern ein umfassendes Transformationsprojekt, das als einfache Leistungsverlagerung unterschätzt wird. Katrin Schwyter, CEO der Adus Klinik in Dielsdorf, und Patrick Vavken, Arzt, Unternehmer und Podcaster, zeigen in ihrem Gastbeitrag, dass die drei häufigsten politischen Begründungen für die Reform einer kritischen Prüfung nur bedingt standhalten.
Die erwarteten Kosteneinsparungen bewegen sich laut Bundesberechnungen im Promillebereich der Gesundheitsausgaben von über 97 Milliarden Franken. Leistungen verschwinden durch Ambulantisierung nicht, sondern wechseln den Ort. Nachsorge, Komplikationsmanagement und Koordination müssen neu organisiert werden, was zusätzliche Schnittstellen und Komplexität erzeugt.
Gleichzeitig verschiebt die Reform finanzielle, operative und organisatorische Risiken auf Praxen, ambulante Zentren und Hausärzte. Fallpauschalen decken steigende Materialkosten nicht, Vorhalteleistungen werden tariflich nicht abgebildet. Die aufeinandertreffenden Tarifsysteme TARDOC und ambulante Fallpauschalen folgen grundlegend unterschiedlichen Steuerungslogiken.
Die Autoren argumentieren, dass stationäres Performance Management nicht unverändert auf den ambulanten Bereich übertragbar ist. Angesichts gleichzeitig veränderter Rahmenbedingungen gewinnt Resilienz gegenüber reiner Effizienzoptimierung an Bedeutung. Ergänzend dazu werden Führungskompetenz, das Verständnis der eigenen Wertschöpfungslogik sowie Digitalisierung als unterschätzte, aber zentrale Faktoren benannt. Als Praxisbeispiel nennen die Autoren die Praxis Zeppelin in St. Gallen, die mit agentischer KI ein eigenes sprachbasiertes Dokumentationssystem entwickelt hat.
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