AOK-Chef Rheinland/Hamburg: Beitragszahler haben die Zumutbarkeitsgrenze längst erreicht
Günter Wältermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg, fordert einen grundlegenden Umbau der Versorgungsstrukturen, gezielte Investitionen und eine stärkere Bedarfsorientierung in der Planung…
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Das deutsche Gesundheitssystem braucht strukturelle Erneuerung, kein weiteres Beitragsplus. Das ist die Kernbotschaft von Günter Wältermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg, im G+G-Interview. Internationale Vergleiche zeigten, dass andere Länder mit weniger Geld bessere Versorgung organisierten. Wältermann fordert ein Investitionsbudget in Höhe von einem Prozent der Grundlohnsumme für den Systemumbau.
Die Versorgungslage im AOK-Gebiet ist regional sehr unterschiedlich. In Ballungszentren bestehen Überkapazitäten, in ländlichen Regionen an Rhein und Ruhr fehlt ärztlicher Nachwuchs. Hamburg gilt rechnerisch mit rund 110 Prozent als überversorgt, weist aber innerhalb der Stadt erhebliche Ungleichverteilungen auf: Wohlhabendere Stadtteile sind gut versorgt, in anderen sind Kinder- und Hausärzte deutlich seltener ansässig oder fehlen ganz.
Als Leitmodell für die ambulante Versorgung nennt Wältermann Primärversorgungszentren, in denen Haus- und Fachärzte gemeinsam mit Apothekern und Pflegefachleuten arbeiten. Behandlungspfade müssten koordiniert, Patientinnen und Patienten aktiv durch das System geführt werden. Die elektronische Patientenakte sei dafür eine wichtige Voraussetzung, derzeit aber noch weitgehend ein Gerüst.
Bei den Hybrid-DRGs warnt Wältermann vor unkontrollierten Mengensteigerungen von teils mehr als 100 Prozent. Allein für diese Eingriffe rechnet die AOK Rheinland/Hamburg mit Mehrausgaben von rund 50 Millionen Euro. Neue Vergütungsmodelle dürften nicht ohne Mengensteuerung eingeführt werden.
Als Erfolgskriterium für 2030 nennt Wältermann keinen Finanzwert, sondern spürbar besseren Zugang. Patientinnen und Patienten sollen leichter die richtige Anlaufstelle finden und zeitnah Termine erhalten.
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