Arbeitszeitreform untergräbt Tarifautonomie: Marburger Bund legt Positionspapier vor

Der Marburger Bund lehnt die geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes ab. Die Umstellung auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit gefährde Patientensicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten…

17. Juni 2026
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Der Marburger Bund spricht sich in einem Positionspapier klar gegen die von der Bundesregierung geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes aus. Die Umstellung von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit würde im Gesundheitswesen zu Mehrbelastung, erhöhtem Gesundheitsrisiko und gefährdeter Patientensicherheit führen.

Die Ärztegewerkschaft verweist auf Studien, wonach Produktivität nicht linear mit der Arbeitszeit steigt. Lange Schichten und Schlafmangel verursachen messbare Defizite bei Aufmerksamkeit, Reaktionszeit und Fehleranfälligkeit. Klinikärztinnen und -ärzte leisten bereits heute im Schnitt sechs Überstunden pro Woche. Vollzeitbeschäftigte Ärzte arbeiten durchschnittlich 55 Stunden, ein Viertel sogar 60 Stunden und mehr.

Der Marburger Bund betont, dass das geltende Recht bereits flexible Regelungen vorsieht. Arbeitszeiten bis zu zehn Stunden täglich, Ausgleichszeiträume über Monate sowie tarifvertragliche Öffnungsklauseln. Viele tarifliche Schutzmechanismen wie Ruhezeiten und Freizeitausgleich bauen auf der gesetzlichen Tagesobergrenze auf. Fiele diese weg, verlören diese Regelungen ihre Grundlage und müssten neu verhandelt werden. Die Reform würde damit faktisch die Tarifautonomie untergraben.

Als einziger verbleibender Tagesschutz bliebe die elfstündige Ruhezeit, sodass Arbeitgeber täglich bis zu 13 Stunden Arbeit anordnen könnten. Die Koalition aus Union und SPD hat die Reform vereinbart. SPD-Parlamentsgeschäftsführer Wiese bezeichnete die Umsetzungsgespräche als „sehr vertrauensvoll“.

Quelle:
aerzteblatt.de

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