BARMER fordert verbindliche Ersteinschätzung zur Entlastung der Notaufnahmen

Ambulante Notfallbehandlungen pro Krankenhaus sind binnen zehn Jahren im Schnitt um 8,7 Prozent gestiegen. BARMER-Chef Straub fordert eine verpflichtende telefonische Ersteinschätzung, da die Notfallreform diese nicht zwingend vorschreibt…

29. Oktober 2026
  • Politik

Die Notfallreform benötigt nach Ansicht von BARMER-Chef Straub mehr Verbindlichkeit. Sie sieht die Ersteinschätzung zwar vor, verpflichtet aber nicht dazu. Ohne klare Vorgabe ist ihr Erfolg fraglich, denn nicht dringliche Notfälle überlasten die Notaufnahmen.

Pro Krankenhaus stiegen ambulante Notfallbehandlungen binnen zehn Jahren im Schnitt um 8,7 Prozent. In jedem zehnten Haus haben sie sich seit 2015 mehr als verdoppelt, in weiteren zehn Prozent um etwa die Hälfte. Die Fallzahl stieg 2015 bis 2024 von 12,3 auf 12,7 Millionen. In zwei von fünf Krankenhäusern wuchs sie um 39 Prozent, in weiteren zwei von fünf sank sie um 26 Prozent.

Regional lag Baden-Württemberg 2024 je Einwohner 50 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, Thüringen knapp 22 Prozent darunter. Grandt hält sie weder demografisch noch medizinisch für erklärbar. 2015 bis 2024 sank die Inanspruchnahme in Bremen um 15 und in Berlin um 14,6 Prozent, in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz stieg sie um 18,7 beziehungsweise 19,9 Prozent.

Straub fordert eine verpflichtende telefonische, künftig digital unterstützte Ersteinschätzung mit verbindlicher Steuerung und Terminvergabe. Vertragsärztlich tätige Haus- und Fachärzte müssten die Patienten übernehmen. Zudem seien eine verstärkte aufsuchende Versorgung im häuslichen Umfeld und erweiterte Kompetenzen nichtärztlicher Gesundheitsberufe in Pflegeheimen nötig. Grandt vermisst eine Aufklärungskampagne über die Versorgungswege bei Notfällen.

Die Zahl beteiligter Krankenhäuser sank von 1.614 im Jahr 2015 auf 1.536 im Jahr 2024. Dieser Rückgang korreliert mit dem Rückgang der Gesamtzahl der Krankenhäuser. Berücksichtigt wurden Häuser mit mindestens 50 Notfallbehandlungen pro Jahr. Grundlage sind BARMER-Routinedaten von rund 8,5 Millionen Versicherten der Jahre 2015 bis 2024. Notfälle identifizierte der Report über Gebührenordnungsziffern.

Quelle:
barmer.de

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