Behandlungsfehler belasten das Gesundheitssystem stärker als bisher bekannt

Vermeidbare Behandlungsfehler verursachen jährlich Milliardenschäden. Der Medizinische Dienst fordert mehr Transparenz, verbindliche Meldesysteme und stärkere Patientenrechte…

23. Dezember 2025
  • QM
  • Ökonomie

Der Medizinische Dienst sieht in vermeidbaren Behandlungsfehlern ein erhebliches finanzielles und strukturelles Problem für das deutsche Gesundheitssystem. Nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden Stefan Gronemeyer entfallen bis zu 15 Prozent der Gesundheitsausgaben auf Schäden, die durch bessere Abläufe hätten verhindert werden können. Bezogen auf die gesetzliche Krankenversicherung entspricht dies rund 50 Milliarden Euro pro Jahr. Gronemeyer kritisiert eine ausgeprägte Fehlervermeidungskultur. Ärztinnen und Ärzte fürchteten Autoritätsverlust, die Politik einen Vertrauensschaden. Beides hält er für unbegründet. Die Bevölkerung wisse, dass menschliche Fehler nicht vollständig auszuschließen seien.
Der Medizinische Dienst fordert den Aufbau einer verbindlichen Sicherheitskultur nach dem Vorbild der Luftfahrt. Dazu gehört ein verpflichtendes Register für sogenannte Never Events wie Eingriffe an der falschen Körperseite oder zurückgelassenes OP-Material. Zudem spricht sich Gronemeyer für stärkere Patientenrechte aus. Genannt werden ein Härtefallfonds, Beweiserleichterungen und eine Pflicht zur Offenlegung von Behandlungsverläufen bei Abweichungen. Nach Angaben des Medizinischen Dienstes würde mehr Transparenz die Prävention stärken und langfristig Kosten senken. Die Begutachtung möglicher Behandlungsfehler erfolgt im Auftrag der Krankenkassen. Grundlage der Aussagen sind internationale Studien und Erfahrungen aus der täglichen Prüfungsarbeit.

Quelle:
pfalz-express.de

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