Berliner Krankenhäuser: Hoher Versorgungsdruck bei leeren Kassen

Berliner Kliniken stehen mit dem Rücken zur Wand: Trotz hoher Fallzahlen und solider Fallwerte drohen tiefrote Zahlen, massive Investitionslücken und neue Tariflasten. Die Krankenhausreform könnte zur Zerreißprobe für eine überforderte Versorgungslandschaft werden.

18. Juni 2025
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Berlins Krankenhäuser geraten zunehmend unter finanziellen Druck – trotz günstiger struktureller Rahmenbedingungen. Sowohl Vivantes als auch die Charité verzeichnen weiterhin hohe Defizite. Vivantes meldet ein Minus von 146 Mio. Euro für 2024, betont jedoch Fortschritte im Sanierungskurs. Ziel ist es, das Defizit bis 2029 um 110 Mio. Euro zu reduzieren, ohne Personalabbau. Gleichzeitig wurden Pflegekräfte und Auszubildende aufgestockt.

Ein zentrales Problem bleibt die Investitionsfinanzierung. Der Berliner Senat kürzt im Nachtragshaushalt 2025 rund 29 Mio. Euro. Die Berliner Krankenhausgesellschaft kritisiert, dass nur ein Drittel des tatsächlichen Investitionsbedarfs bis 2030 abgedeckt sei. Der geplante Transformationsfonds bleibt unterfinanziert.

Zusätzlich belasten steigende Sach- und Personalkosten die Häuser, nicht zuletzt durch neue Tarifabschlüsse, etwa bei der CFM-Tochter der Charité. Hier entstehen der Uniklinik ab 2030 jährliche Mehrkosten von bis zu 40 Mio. Euro.

Die Charité selbst schloss das Jahr 2024 mit einem Defizit von 87,4 Mio. Euro ab. Trotz operativer Verbesserungen warnt das Management vor einer weiter klaffenden Kosten-Erlös-Schere. Auch das Jüdische Krankenhaus nennt wachsende Sicherheitskosten, eine hohe Zahl nichtversicherter Patient:innen und strukturelle Tariflücken als Ursachen für die wirtschaftliche Schieflage.

Etwa 70 Prozent der Berliner Kliniken schreiben derzeit rote Zahlen. Ein Bündnis freigemeinnütziger Häuser hat Klage gegen das Land eingereicht. Es sieht sich durch millionenschwere Sonderzahlungen an Vivantes benachteiligt. Investitionen in Ambulantisierung und Strukturreformen bleiben aus Sicht vieler Akteur:innen deutlich hinter dem Bedarf zurück.

Quelle:

kma-online.de


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