Berner Onkologin fordert mehr Forschung zu geschlechtsspezifischer Krebstherapie
Berna Özdemir erforscht, wie Geschlecht und Zeitpunkt die Wirksamkeit von Krebstherapien beeinflussen. Ihre geplante Studie zur Chronotherapie scheitert bisher an der Finanzierung…
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Die Berner Onkologin Berna Özdemir behandelt Patientinnen und Patienten mit Hautkrebs am Inselspital Bern und setzt sich für geschlechtersensible Krebstherapie ein. Sie plant eine klinische Studie zur Chronotherapie, bei der geprüft wird, ob Immuntherapien am Vormittag besser wirken als am Nachmittag. Vorstudien deuten auf Vorteile, insbesondere für Frauen, hin. Doch trotz wissenschaftlicher Relevanz fand das Projekt bislang keine ausreichende Förderung. Der Schweizerische Nationalfonds lehnte Anträge ab, weshalb nun das Swiss Cancer Institute eine Beteiligung prüft. Özdemir kritisiert zudem grundlegende Defizite: Viele Medikamente werden nach Körperoberfläche dosiert, ohne Unterschiede in Muskel- und Fettanteilen zwischen Männern und Frauen zu berücksichtigen. Dies führt bei Frauen häufiger zu schwerwiegenden Nebenwirkungen. Auch in der Diagnostik benachteilige ein androzentrischer Blick Frauen, etwa bei Blasenkrebs. International seien Länder wie Italien und die Niederlande weiter. Özdemir fordert eine stärkere Finanzierung unabhängiger Forschung. Gendermedizin versteht sie nicht als Ideologie, sondern als Grundlage präziser, individueller und gerechter Medizin.