Bertelsmann-Studie sieht großes Potenzial in stärkerer Aufgabenteilung in Arztpraxen
Eine Studie der Bertelsmann Stiftung sieht in der systematischen Aufgabenteilung zwischen Hausärzten und Praxispersonal ein großes Potenzial gegen den Ärztemangel. Delegation von Routineaufgaben könnte Zeit sparen und Versorgungslücken schließen…
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In Deutschland sind derzeit rund 5.000 Hausarztsitze unbesetzt. Prognosen des wissenschaftlichen Instituts der Barmer erwarten bis 2030 weitere 3.200 fehlende Stellen. Damit könnte die Zahl der fehlenden Hausärztinnen und Hausärzte auf etwa 8.200 steigen.
Eine Studie der Bertelsmann Stiftung sieht in einer systematischen Aufgabenteilung in Arztpraxen einen möglichen Ausweg. Qualifizierte Gesundheitsfachkräfte könnten bestimmte Routineaufgaben übernehmen. Dazu zählen etwa Wundversorgung oder Kontrolluntersuchungen bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes.
Nach Berechnungen der Studie könnten Hausärztinnen und Hausärzte dadurch durchschnittlich rund 65 Prozent ihrer Zeit einsparen. Die frei werdende Zeit stünde für ärztliche Behandlung und Beratung zur Verfügung. Praxen könnten so mehr Patientinnen und Patienten versorgen.
Um den erwarteten Mangel auszugleichen, wären laut Studie rund 12.000 speziell qualifizierte Praxisassistentinnen und -assistenten nötig. Viele dieser Fachkräfte arbeiten bereits im System oder könnten entsprechende Qualifikationen durch Weiterbildung oder Studium erwerben.
Die Untersuchung stützt sich unter anderem auf Daten aus zwei Hausarztpraxen in Niedersachsen und Baden-Württemberg, in denen Aufgaben bereits weitgehend delegiert werden. Befragungen von Praxispersonal sowie von 1.711 Patientinnen und Patienten zeigen keine Hinweise auf eine geringere Versorgungsqualität.
Auch im internationalen Vergleich sieht die Studie ähnliche Modelle, etwa in Kanada oder Finnland. Zusätzlich zeigen Befragungen von 3.687 Hausärztinnen und Hausärzten sowie 1.501 Bürgerinnen und Bürgern eine breite Zustimmung zur stärkeren Aufgabenverteilung bei Routineleistungen.
Vor diesem Hintergrund fordert die Bertelsmann Stiftung eine gezielte Aufwertung der Praxisassistenzberufe und mehr Weiterbildungsangebote für diese Fachkräfte.
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