Bettenabbau am Klinikum Mittelbaden: Pflegebündnis rechnet mit 84 Millionen Euro Folgeschaden
Der geplante Bettenabbau am Klinikum Mittelbaden gefährdet die Pflegeausbildung und die Versorgung. Zudem droht der Region ein volkswirtschaftlicher Schaden von bis zu 84 Millionen Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren…
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Peter Koch, Vorsitzender des Pflegebündnis Mittelbaden und Mitglied im Bundesvorstand des Bundesverbands Pflegemanagement, warnt. Strukturentscheidungen, die allein Betten und Bilanzen berücksichtigen, erzeugen Folgekosten, die in keiner Sanierungsrechnung erscheinen. Am Klinikum Mittelbaden macht er das konkret sichtbar.
Der Landkreis Rastatt, die Stadt Baden-Baden und das Klinikum Mittelbaden haben bereits Standorte von sechs auf zwei reduziert und bekennen sich zum Neubau eines Zentralklinikums am Münchfeldsee. Trotzdem geraten die Planungen durch das GKV-Sparpaket, das im Bundesrat beraten wird, erneut unter Druck. Diskutiert wird ein Bettenabbau von rund 890 auf 660, 500 oder gar 450 Betten, was Kürzungen von 26 bis fast 50 Prozent entspräche.
Koch betont, dass weniger Betten nicht weniger Versorgungsbedarf bedeuten. Dieser verlagert sich in Pflegeheime, ambulante Dienste und Notaufnahmen. Bereits heute erhalten rund 60 Prozent der Pflegebedürftigen in Mittelbaden Pflegegeld und werden von Angehörigen versorgt. Bis 2040 steigt der regionale Pflegebedarf voraussichtlich um 18 Prozent.
Besonders gravierend ist, dass der Bettenabbau die 31 Ausbildungsplätze in der Akutpflege bedroht, von denen 15 externen Trägern wie Pflegeheimen und ambulanten Diensten zugutekommen. Je nach Planvariante könnten jährlich sechs bis zwölf Plätze wegfallen. Über zehn Jahre fehlten der Region damit bis zu 630 Pflegefachkraft-Jahre, allein die Personalkosten dieser Lücke belaufen sich auf bis zu 49 Millionen Euro. Inklusive Folgekosten durch Wiedereinweisungen, Rekrutierungsaufwand und Mehrbelastung der Angehörigen droht ein volkswirtschaftlicher Schaden von bis zu 84 Millionen Euro.
Koch fordert keine Strukturentscheidung ohne Folgenabschätzung für Pflege und Ausbildung, Schutz der Praxiseinsatzplätze, verbindliche Konzepte für Kurzzeitpflege und ambulante Entlassversorgung sowie ein jährliches Monitoring. Andere Regionen sollten den Fall Mittelbaden als Vorschau auf die eigene Lage verstehen.
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