Bis 2030 fehlen über 8.000 Hausärzte: Bevölkerungsmedizinerin fordert Reform des Heilpraktikergesetzes
Rund 5.000 Hausarztsitze sind unbesetzt, bis 2030 könnten 3.200 weitere fehlen. Eine Bevölkerungsmedizinerin fordert Prävention, Gesetzesreform und weniger Bürokratie…
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Das deutsche Gesundheitssystem steht vor einer strukturellen Versorgungskrise. Karlin Stark, kommissarische Amtsleiterin des Gesundheitsamts im Landratsamt Heilbronn und Fachärztin für öffentliches Gesundheitswesen, benennt das Kernproblem: Rund 5.000 Hausarztsitze sind unbesetzt, bis 2030 könnten weitere 3.200 hinzukommen. Etwa ein Drittel der deutschen Hausärzte ist 60 Jahre oder älter und geht in absehbarer Zeit in Rente.
Die Lage verschärft sich, weil die alternde Babyboomer-Generation häufiger medizinische Versorgung benötigt. Nachwuchsmediziner reichen nicht aus, um die entstehenden Lücken zu schließen.
Als ersten Ansatz nennt Stark die Primärprävention. Lebensstilassoziierte Erkrankungen wie Diabetes Typ 2 seien zu rund 80 Prozent vermeidbar. Ernährung, Bewegung und soziales Umfeld spielten dabei eine zentrale Rolle. Strukturelle Maßnahmen wie eine Zuckersteuer oder DGE-zertifizierte Schulspeisung seien ebenfalls sinnvoll.
Als zweiten Ansatz fordert sie eine Reform des Heilpraktikergesetzes von 1939. Es verhindert, dass gut ausgebildete Berufsgruppen wie Physiotherapeuten eigenständig heilkundliche Entscheidungen treffen dürfen. Arztkontakte dauern in Deutschland im Schnitt fünf bis zehn Minuten, in Schweden über 20 Minuten.
Als dritten Ansatz sieht Stark den Abbau von Bürokratie. Ärzte wenden 30 bis 50 Prozent ihrer Arbeitszeit für Dokumentation auf. Digitalisierung und Praxisgemeinschaften bieten bereits erste Ansätze.
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