BKH Kaufbeuren: 150 Jahre, 150 Millionen Euro Investition
Das BKH Kaufbeuren feiert heuer runden Geburtstag. Am Standort gibt es große Pläne: Unter anderem soll ein neuer Bettentrakt für 202 Betten errichtet und die psychiatrische Klinik neu strukturiert werden. Das hat Auswirkungen aufs gesamte Gelände…
- Ökonomie
Das Bezirkskrankenhaus (BKH) Kaufbeuren feiert in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag. Am ältesten Standort der Bezirkskliniken Schwaben gibt es große Pläne – sowohl wie das Jubiläumsjahr begangen wird als auch hinsichtlich seiner Entwicklung. Unter anderem soll die gesamte Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik auf neue Beine gestellt werden. Dazu ist der Bau eines Bettentrakts für 202 stationäre Betten geplant. Er wird voraussichtlich 80 Millionen Euro kosten und ist damit die größte Einzelmaßnahme der nächsten Jahre, aber nicht die einzige. Vorstandsvorsitzender Stefan Brunhuber, der Leiter des Service-Centers Bau der Bezirkskliniken, Raphael Ziegler, sowie die Krankenhausleitung des BKH um Leitenden Ärztlichen Direktor PD Dr. Albert Putzhammer, Pflegedirektor Andreas Gebler und Regionalleiter Claus Thoma stellten Oberbürgermeister Stefan Bosse die Pläne ein Einzelnen vor.
„150 Jahre sind ein großes Jubiläum. Der Zeitraum lässt einen in Ehrfurcht erstarren“, sagte Brunhuber eingangs. Mit 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ging es damals los. Inzwischen arbeiten mehr als 1000 Beschäftigte am BKH. Damit gehört der Standort der Bezirkskliniken zu den größten Arbeitgebern in Kaufbeuren. „Ein tolle Entwicklung“, findet der Vorstandsvorsitzende.
In den vergangenen Jahren sind hier schon mehr als 50 Millionen Euro investiert worden. Der Erweiterungsbau der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie (CN/CS-Bau) wurde von 2014 bis 2021 neu errichtet. Es entstanden fünf Stationen mit jeweils 24 Betten, was 33,8 Millionen Euro kostete. Es folgte die Sanierung des Bestandsgebäudes der Forensik (C-Bau) über fünf Geschosse. Das Bauvorhaben wurde 2024 abgeschlossen und verschlang elf Millionen Euro. Beide Projekte wurden durch den Freistaat Bayern gefördert. Abgeschlossen sind auch die Errichtung des Gedenkplatzes mit Stelen zur Erinnerung an die NS-Vergangenheit des Standortes (Kosten: 400.000 Euro), die Sanierung des Wirtschaftshochhauses, in dem unter anderem 18 Mitarbeiterwohnungen entstanden sind (9,7 Millionen Euro) als auch die Installation von Photovoltaikanlagen auf den Dächern des Wirtschaftshochhauses und der Klinikküche. Weitere PV-Anlagen auf den Dächern der Forensischen Klinik und den Gebäuden der Technischen Betriebs sollen in diesem Jahr folgen (500.000 Euro). Außerdem wurde die Immobilie Kemnater Straße 9 (gegenüber vom Haupteingang des BKH) erworben. Dort entstanden zwölf Mitarbeiterwohnungen. Hierfür nahmen die Bezirkskliniken 3,7 Millionen Euro in die Hand. „Bei Mitarbeiterwohnungen sind wir nun gut aufgestellt“, meinte Brunhuber.
Inzwischen hat das Gesundheitsunternehmen den wohl größten Brocken in Angriff genommen: den Neubau der psychiatrischen Klinik. „Hier haben wir den Fuß in der Tür und können das Vorhaben jetzt vorantreiben“, so der Vorstandsvorsitzende. Ein Generalplaner aus München sei bereits verpflichtet worden. Vor wenigen Tagen fand ein Auftaktmeeting mit Begehung auf dem Gelände statt. „Bis zu 100 Leute arbeiten bereits an dem Projekt“, informierte SC-Bau-Leiter Ziegler.
Kernstück ist die Neuerrichtung eines Bettentrakts für 202 Betten als Ersatzneubau für den G-Bau. Er ist das größte bettenführende Gebäude am Standort und soll abgerissen werden. An seiner Stelle soll in mehreren Abschnitten ein modernes und energieeffizientes Gebäude entstehen, das hochwertige Pflegeplätze bereitstellt. Brunhuber befürchtet, dass der Abriss eine teure Geschichte werden könnte, weil im Bestand Altlasten vermutet werden. Der Neubau habe Einfluss auf die gesamte Erschließung des Klinikgeländes und auf die Parkplätze. Das Bestandskarree muss umgebaut werden. „Es könnte künftig eine neue Eingangsmagistrale geben. Entschieden ist aber noch nichts“, blickte der Vorstandsvorsitzende vorsichtig in die Zukunft.
Wenn alles gut läuft, könnte man die Pläne bis Ende des Jahres fertig haben und sie an die Regierung von Schwaben weitergeben. Diese würde sie dann intensiv prüfen. Die Bezirkskliniken hoffen, bald mit der Maßnahme in das Krankenhausbauprogramm des Freistaates aufgenommen zu werden.
Schon 2027 soll es mit dem Ersatzneubau für die Therapieschreinerei losgehen. Dieser soll an der Stelle der bestehenden Schreinerei entstehen. Das Gebäude wird voraussichtlich eingeschossig, ist teilweise unterkellert und soll in Holzbauweise errichtet werden. Die Finanzierung ist jetzt gesichert, die Kosten in Höhe von etwa sechs Millionen Euro trägt das Amt für Maßregelvollzug des Freistaates.
Damit nicht genug: Weitere zwei Millionen Euro aus Eigenmitteln investiert das Gesundheitsunternehmen in die Erweiterung der spezialisierten Abteilung für Menschen mit Intelligenzminderung und Autismus-Erkrankungen. Wie Ärztlicher Direktor PD Dr. Putzhammer berichtet, wird dies ein Bereich für intelligenzgeminderte Menschen mit schweren Verhaltensstörungen, die ein ganz spezielles Setting benötigen. Hierfür gibt es zahlreiche Anfragen, die das BKH Kaufbeuren und auch alle anderen Standorte der Bezirkskliniken Schwaben aus Kapazitätsgründen nicht mehr bedienen können. Im Erdgeschoss des D-Gebäudes werden dazu Decken, Böden, Türen und die sanitären Anlagen erneuert sowie der Brandschutz angepasst. Das Vorhaben soll 2026/27 umgesetzt werden.
„Es freut mich wirklich sehr, dass sich hier über die Jahre sehr viel getan hat“, sagte OB Bosse. Als Mitglied im Verwaltungsrat der Bezirkskliniken war er an vielen Teilprojekten beteiligt. Angesichts des „Günzburger Mega-Projekts“ (am dortigen BKH werden derzeit mehr als 100 Millionen Euro für den Neubau der gesamten Psychiatrie investiert) freue er sich, „dass Kaufbeuren parallel zu Günzburg so gut weiterentwickelt werden konnte“, ergänzte Bosse.
Fast 60 Millionen Euro wurden bereits in die Hand genommen, gut 90 Millionen sollen in nächster Zeit noch investiert werden: „Man wird 150 Jahre alt und gibt 150 Millionen Euro aus – das passt doch sehr gut“, meinte Brunhuber schmunzelnd.
Der Vorstandsvorsitzende und die Krankenhausleitung stellten dem OB abschließend noch die Rahmendaten zum Jubiläumsjahr vor:
- Samstag, 13. Juni: Tag der offenen Tür für die Bevölkerung mit großem Rahmenprogramm.
- Donnerstag, 2. Juli: Gedenktag mit Einweihung des „Weges des Gedenkens“ und Vorstellung des Opferbuches.
- 3. Juli: Mitarbeiterfest (intern).
- Donnerstag, 24. September: Großer Festakt „150 Jahre BKH Kaufbeuren“ mit Ministerpräsident Markus Söder für geladene Gäste.
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