BMG will Gendermedizin in die Ärzteausbildung bringen und Wechseljahre enttabuisieren

Das BMG will Gendermedizin als Pflichtfach in der Ärzteausbildung verankern und die Versorgung von Frauen in den Wechseljahren verbessern. Die Antidiskriminierungsstelle fordert zudem eine nationale Menopausenstrategie…

15. Oktober 2026
  • Politik

Das Bundesgesundheitsministerium will geschlechtersensible Medizin als eigenes Fach in die ärztliche Ausbildung einführen und die Wechseljahre dort verbindlich verankern. Die Umsetzung dürfte sich allerdings verzögern, da die Reform der Approbationsordnung seit Jahren stockt. Derzeit gestalten Medizinische Fakultäten ihre Curricula selbst und integrieren Gendermedizin nur freiwillig und unterschiedlich intensiv.

Anlass ist der Abschluss des Dialogprozesses Wechseljahre, den das BMG im November 2025 unter der damaligen Ministerin Nina Warken (CDU) gestartet hatte. Laut Ergebnispapier bestehen im Versorgungssystem erhebliche Wissenslücken über den Zusammenhang zwischen hormoneller Umstellung und verschiedenen Erkrankungen. Das BMG plant zudem, Forschungsprojekte zur Frauengesundheit zu fördern und das RKI bei der Erhebung zusätzlicher Daten zu unterstützen. Informationsangebote auf dem Nationalen Gesundheitsportal und bei nachgeordneten Behörden sollen überarbeitet und besser verknüpft werden.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes stellte am selben Tag Handlungsempfehlungen eines interdisziplinären Gremiums unter Leitung von Miriam Stein vor. Bundesbeauftragte Ferda Ataman forderte, Benachteiligungen wegen der Wechseljahre im AGG klarer zu schützen. Der volkswirtschaftliche Schaden durch Fehlzeiten und früheren Ruhestand wird auf jährlich 9,4 Milliarden Euro geschätzt. Laut Stein seien 80 Prozent der Frauen zwischen 40 und 60 Jahren berufstätig, weshalb Betriebsärzte mit entsprechender Ausbildung eine wichtige präventive Rolle übernehmen könnten.

Chefärztin Prof. Mandy Mangler vom Vivantes Klinikum Berlin kritisierte, dass Menopause an den meisten Universitäten kaum vorkomme. Das Gremium fordert zudem eine eigene Abrechnungsziffer für Wechseljahresberatungen sowie interdisziplinärere Forschung, die auch Auswirkungen auf den Arbeitsplatz untersucht. Berücksichtigt werden sollen künftig auch Frauen mit Migrationsgeschichte, geringem Einkommen oder Behinderungen sowie trans- und intergeschlechtliche Personen.

Quelle:
aerzteblatt.de

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