Bodycams in der Notaufnahme: Klinikum Dortmund setzt auf Deeskalation, Studienlage bleibt uneinheitlich
Das Klinikum Dortmund testet Bodycams in der Notaufnahme. Rechtlich erlaubt der Einsatz nur anlassbezogene Aufnahmen unter strengen Datenschutzvorgaben. Ein klar belegter Sicherheitsgewinn fehlt bisher…
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Das Klinikum Dortmund erprobt Bodycams in seinen Notaufnahmen, nachdem Gewalt gegen Klinikpersonal zunimmt. Die Kameras sollen deeskalieren und Beschäftigte in kritischen Situationen unterstützen. Die Klinik darf sie aber nur unter engen rechtlichen Vorgaben und nur bei konkretem Anlass einsetzen.
Mehrere Befragungen stützen den Hintergrund des Projekts. In einer KBV-Umfrage aus 2024 gaben rund 85 Prozent der befragten Gesundheitsfachkräfte an, dass Beleidigungen, Beschimpfungen und Bedrohungen in den vergangenen fünf Jahren zugenommen haben. In einer Umfrage der Deutschen Krankenhausgesellschaft nannten das 73 Prozent der Befragten. Eine YouGov-Umfrage aus 2025 zeigte zudem: 75 Prozent der befragten Gesundheitsfachkräfte erlebten im vergangenen Jahr Gewalt- und Konfliktsituationen, 85 Prozent von ihnen mehrfach.
Die Klinik muss den Einsatz vor allem an DSGVO, BDSG und mögliche Landesvorgaben binden. Eine Einwilligung aggressiver Patienten scheidet meist aus. Deshalb muss die Klinik den Zweck klar festlegen, die Interessen abwägen und ein Einsatzkonzept vorhalten. Das Personal darf die Kamera nur anlassbezogen einschalten, muss die Aufnahme ankündigen und darf Toiletten, Sanitär- und Behandlungsräume nicht filmen.
Ob Bodycams Übergriffe tatsächlich verringern, bleibt offen. Die im Text genannten Studien aus dem Polizeibereich zeigen kein klares positives Wirkungsmuster. Dortmund testet die Geräte noch bis Mai und entscheidet danach gemeinsam mit dem Betriebsrat über das weitere Vorgehen.
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