BVKJ-Präsident Hubmann fordert Schluss mit dem GKV-Selbstbedienungsprinzip
Dr. Michael Hubmann spricht im Podcast „Kindergarten Gesundheitspolitik“ Klartext: Unser Gesundheitssystem sei kein All-you-can-eat-Buffet. Er fordert mehr Steuerung, klare Verantwortung und eine echte Strategie. Der GKV-Finanzrahmen droht zu kippen, Reformstaus lähmen das System. Ohne Kurswechsel steht besonders die ambulante Pädiatrie vor dem Kollaps.
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In der aktuellen Folge des Podcasts „Kindergarten Gesundheitspolitik“ kritisiert BVKJ-Präsident Dr. Michael Hubmann grundlegende Fehlentwicklungen im Gesundheitssystem. Anlass ist der Kinder- und Jugendärztetag in Berlin. Dort wurde der Pakt zur Kindergesundheit erneut unterzeichnet, doch die politischen Rahmenbedingungen bleiben unklar.
Hubmann beklagt die fehlende strategische Steuerung. Das Gesundheitssystem gleiche einem Selbstbedienungsladen. Über Jahre sei suggeriert worden, dass die GKV unbegrenzte Leistungen bietet. Dieses Narrativ hält er für gefährlich. Die Realität seien knappe Mittel, stagnierende Strukturen, fehlender Mut zur Priorisierung. Politik müsse ehrlich sagen: Das Geld reicht nicht. Dann könne man handeln.
Er fordert, das Prinzip der Wirtschaftlichkeit auch auf die Nachfrage auszuweiten. Wer trotz ärztlicher Beratung weitere Facharzttermine wünsche, solle diese gegebenenfalls selbst finanzieren. Dies sei keine Strafe, sondern Ausdruck einer erwachsenen Systemverantwortung.
Besonders alarmiert zeigt sich Hubmann über die Situation in der ambulanten Versorgung. Viele Praxen könnten bald früher schließen, nicht aus Trotz, sondern aus Erschöpfung. Auch zentrale Reformvorhaben wie Notfall- und Rettungsdienstreform sowie das Primärarztsystem kämen kaum voran. Statt Fortschritt erlebe man Flickwerk, Blockade und Lobbydruck.
Gesundheitsministerin Warken signalisiert Engagement, wird aber laut Hubmann im Kabinett ausgebremst. Der Finanzentwurf von Minister Klingbeil sorge für zusätzliche Verunsicherung. Die geforderten Mittel für versicherungsfremde Leistungen fehlen.
Das Fazit der Folge: Die Kindermedizin denkt systemisch. Doch der politische Wille zur Veränderung bleibt aus.
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