Charité-Digitalchef Gocke warnt: Wer an alten Strukturen festhält, riskiert das BlackBerry-Schicksal
Dr. Peter Gocke, Leiter Digitale Transformation an der Charité, fordert einen Paradigmenwechsel. KI und Digitalisierung müssen Versorgungsstrukturen grundlegend neu gestalten, nicht nur beschleunigen…
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KI und Digitalisierung entfalten ihr Potenzial im Gesundheitswesen nur dann, wenn sie nicht bloß bestehende Abläufe optimieren, sondern die Versorgung selbst neu gestalten. Das ist die Kernthese von Dr. Peter Gocke, Leiter der Stabsstelle Digitale Transformation an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, formuliert als Herausgebersicht zur kma-Ausgabe 4/26.
Gocke konstatiert, dass Terminmanagement, Diagnostik, Dokumentation und Abrechnung zwar effizienter werden, die strukturellen Grundlagen jedoch unverändert bleiben: fragmentierte IT-Systeme, wenig digitale Zugangspunkte, Versorgung hinter Klinikmauern. KI brauche breite, qualitativ hochwertige und interoperable Daten. Solange Gesundheitsdaten in Silos verbleiben, bleibt das Potenzial ungenutzt. Gemeinsame Standards, etwa in der Telematikinfrastruktur, sowie das Vertrauen der Patienten sind dafür Voraussetzung.
Telemedizin, Wearables und Gesundheits-Apps verlagern Versorgung dorthin, wo Menschen leben, und machen die Trennung zwischen ambulant und stationär zunehmend obsolet. Wer an vertrauten Strukturen festhält, riskiert das Schicksal von BlackBerry, so Gockes Warnung.
Die wirtschaftliche Lage verschärft den Handlungsdruck. Das RWI bewertet die Lage der deutschen Krankenhäuser als „angespannter als je zuvor“. Über die Hälfte der Häuser weist Jahresfehlbeträge auf, der Deutsche Landkreistag erwartet Rekorddefizite. Kommunale Kliniken stehen besonders unter Druck, die Krankenhausreform zeigt bislang wenig Wirkung. Private Klinikgruppen sind auf die Konsolidierungsphase besser vorbereitet.
Die Ausgabe 4/26 thematisiert zudem das geplante Gesundheitssicherstellungsgesetz von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken für Sommer 2026, die Fusion von Agaplesion Elisabethenstift und Städtischem Klinikum Darmstadt zu den Südhessen Kliniken sowie Machtmissbrauch in der Medizin als systematisches Problem.
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