Chefärzt:innen zwischen Machtbild und Realität
Sind Chefärzte noch Patriarchen? Viele erleben heute vor allem Überforderung. Fachkräftemangel, neue Erwartungen und Reformdruck stellen das klassische Führungsmodell infrage…
- Personal
Das Klischee vom „allmächtigen Chefarzt“ hält sich, doch im Klinikalltag verliert dieses Bild zunehmend an Bedeutung, resümiert Uwe Leder, Geschäftsführer beim SRH Wald-Klinikum Gera., beim SRH Zentralklinikum Suhl und beim SRH Klinikum Burgenlandkreis. Natürlich gibt es weiterhin Häuser, in denen Führung sehr hierarchisch geprägt ist. Gleichzeitig berichten viele Ärztinnen und Ärzte in leitender Verantwortung heute eher von permanenter Überlastung als von Gestaltungsmacht.
Der Druck kommt aus mehreren Richtungen: Der Arbeitsmarkt bleibt angespannt, ärztliches Personal ist schwer zu gewinnen und zu halten. Klassische Hierarchien greifen dadurch weniger zuverlässig, weil Abteilungen stärker von Teamstabilität, Dienstplänen und kurzfristigen Engpässen bestimmt werden. Parallel steigen die Erwartungen – an medizinische Qualität, wirtschaftliche Steuerung, Kommunikation, Personalführung und Veränderungsfähigkeit. Wer in der Spitze steht, muss mehr Felder abdecken als früher und wird dafür stärker beobachtet und bewertet. Auch hohe Vergütungen erhöhen den Rechtfertigungsdruck.
Hinzu kommt: Nachfolgen werden schwieriger. Fachlich exzellente Medizinerinnen und Mediziner entscheiden sich zunehmend gegen Positionen, die mit umfassender Führungsverantwortung, administrativer Last und geringer Planbarkeit verbunden sind. Der demografische und kulturelle Wandel in der Ärzteschaft verstärkt diesen Trend, weil Erwartungen an Arbeitszeiten, Vereinbarkeit und transparente Karrierewege zunehmen.
Es spricht vieles dafür, das klassische Chefarztmodell weiterzuentwickeln: Verantwortung wird häufiger geteilt, Rollen werden klarer zugeschnitten, und Führung wird stärker als Teamaufgabe verstanden – mit verlässlichen Strukturen, die die Spitze entlasten, statt sie allein „abzufedern“ zu lassen. Für Kliniken bedeutet das: Es geht um Führungsfähigkeit unter Dauerbelastung, um Rekrutierungschancen und um die Frage, wie Verantwortung so verteilt wird, dass medizinische Qualität und Wirtschaftlichkeit nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Klar ist: Führung bleibt unverzichtbar. Sie muss jedoch anders organisiert werden: transparenter, teamorientierter und so, dass die Leitungsrolle wieder gestaltbar wird.
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