DEGAM-Kongress fordert mehr Geschlechtersensibilität bei chronischen Schmerzen

Beim DEGAM-Kongress erläuterte Achim Mortsiefer geschlechtsspezifische Unterschiede bei chronischen Schmerzen und der Morphintherapie und forderte, ungerechtfertigte Stereotype in der Versorgung abzubauen…

27. Oktober 2026
  • QM

Die Behandlung chronischer nicht-tumorbedingter Schmerzen sollte biologische, psychosoziale und versorgungsbezogene Geschlechtsunterschiede berücksichtigen. Das betonte Universitätsprofessor Achim Mortsiefer, Hausarzt in Köln und Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeinmedizin II und Patientenorientierung in der Primärversorgung an der Universität Witten/Herdecke, beim „Gesundheit gestalten“-Kongress der DEGAM in Göttingen.

Als Beispiel nannte Mortsiefer chronische Rückenschmerzen, von denen Frauen über alle Altersgruppen hinweg häufiger betroffen seien. Als mögliche Gründe führte er biologische und anatomische Unterschiede an. Östrogen und Progesteron beeinflussten Schmerzempfindlichkeit, Bindegewebe und Muskeltonus. Zudem unterschieden sich Beckenform, Muskelmasse, Knochen und Bandscheibenstruktur. Psychosoziale Faktoren seien eine höhere berichtete Schmerzintensität sowie die Belastung durch Care-Arbeit und die Doppelbelastung von Beruf und Haushalt. Schmerzen von Frauen würden im ärztlichen Umfeld häufiger als psychisch interpretiert. Auch der Zugang zu Diagnostik und Therapie unterscheide sich.

Bei der Behandlung postoperativer Schmerzen benötigten Männer nach Mortsiefers Angaben circa 40 Prozent mehr Morphin als Frauen. Für eine 50-prozentige Schmerzlinderung müsse die Konzentration am Opiatrezeptor etwa doppelt so hoch sein. Morphin führe bei Männern häufiger zu einer sexuellen Dysfunktion sowie einem höheren Missbrauchs- und Abhängigkeitsrisiko. Bei Frauen sei das Risiko für Atemdepression, gastrointestinale Beschwerden, Hautausschlag, Halluzinationen, Angstzustände und Hospitalisierung erhöht. Mortsiefer forderte, eigene Vorstellungen zu Geschlechterunterschieden zu reflektieren, ungerechtfertigte Stereotype abzubauen und relevante Unterschiede stärker zu berücksichtigen.

Quelle:
aerztezeitung.de

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