Deutscher Ärztinnenbund verlangt verbindliche Konsequenzen gegen Machtmissbrauch

Der Deutsche Ärztinnenbund fordert in einer einstimmig verabschiedeten Erklärung einen Kulturwandel in der Medizin. Grund sind strukturelle Bedingungen, die Machtmissbrauch begünstigen und dessen Aufarbeitung erschweren…

27. Oktober 2026
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Machtmissbrauch in der Medizin ist nach Auffassung des Deutschen Ärztinnenbundes (DÄB) ein strukturelles Problem. Der Verband fordert Ärzteschaft, medizinische Einrichtungen, Standesorganisationen und Politik auf, bestehende Machtgefälle kritisch zu hinterfragen und verbindliche strukturelle Konsequenzen einzuleiten. Machtmissbrauch, sexualisierte Gewalt und Diskriminierung dürfen im Gesundheitswesen keinen Platz haben, betont der DÄB.

Die Mitgliederversammlung hat die Erklärung am 16. Oktober 2026 in Hannover einstimmig verabschiedet. Sie benennt überholte Hierarchien, persönliche Abhängigkeiten in der medizinischen Weiterbildung sowie intransparente Entscheidungs- und Beschwerdewege als Bedingungen, die Machtmissbrauch begünstigen. Unter diesen Bedingungen finden Grenzverletzungen statt und bleiben häufig folgenlos.

Co-Präsidentin Jana Pannenbäcker betont, dass Strukturen zur Wiederholung solcher Vorfälle beitragen, solange Abhängigkeiten bestehen, Beschwerden nicht ernst genommen werden und Grenzüberschreitungen ohne Konsequenzen bleiben. Pannenbäcker sieht den Kulturwandel dort beginnen, wo man bereit ist, Strukturen kritisch zu hinterfragen und Verantwortung für deren Veränderung zu übernehmen.

Nach Einschätzung des DÄB reichen die Folgen von Machtmissbrauch weit über das individuelle Leid der Betroffenen hinaus. Er behindert die berufliche Entwicklung, begünstigt Karriereabbrüche hochqualifizierter Ärztinnen, verschärft den Fachkräftemangel und gefährdet die Qualität von Forschung, Wissenschaft und Patientenversorgung.

Co-Präsidentin Prof. Dr. med. Barbara Puhahn-Schmeiser kritisiert eine Kultur, in der Grenzüberschreitungen verharmlost oder aus falsch verstandener Kollegialität verschwiegen werden. Sie fordert eine Medizin, in der Respekt, psychologische Sicherheit und Gleichberechtigung im beruflichen Alltag selbstverständlich gelebt werden.

Der DÄB will den Kulturwandel aktiv mitgestalten und Verantwortliche in Medizin und Gesundheitspolitik zum Handeln auffordern. Er macht unmissverständlich deutlich, dass Lippenbekenntnisse nicht ausreichen.

Quelle:
journalmed.de

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