Pressemeldung

Die Krankenhausreform unter dem Skalpell

Neue Studie der ENDERA-Gruppe & nextpractice zeigt zentrale Erwartungen und konkrete Handlungsfelder für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung…

5. Dezember 2025
  • Politik

Mit dem Start der Krankenhausreform hat die Bundesregierung einen tiefgreifenden Wandel im deut- schen Gesundheitswesen angestoßen. Doch wie bewerten die maßgeblichen Akteure die Chancen und Risiken der Reform und bringt sie uns einer zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung tatsächlich näher?

Diesen Fragen geht die neue Multiperspektivenstudie zur Krankenhausreform nach, welche Perspek- tiven von zentralen Akteuren wie Klinikleitungen, Kostenträgern, Verbänden, Politik und weiteren Ex- perten analysiert. 50 qualitative Interviews, die über ein innovatives Befragungsverfahren erhoben wurden, zeigen einerseits drei grundsätzlich verschiedene Idealvorstellungen, andererseits jedoch fünf effektive Handlungsfelder, die diesen drei Idealvorstellungen gerecht werden.

Drei klare Perspektiven

Die Analyse zeigt drei deutlich unterscheidbare empirische Gruppen mit jeweils eigenen Vorstellungen und Prioritäten, welche Themen der Krankenhausreform für die zukunftsfähige Krankenhausland- schaft essenziell sind.

  • Gruppe 1: verlässliche Daseinsvorsorge
  • Gruppe 2: hochwertige Behandlung
  • Gruppe 3: zukunftsfähige Strukturen

Was sie verbindet: eine starke Kritik am aktuellen Zustand, der als fragmentiert und ineffizient wahr- genommen wird – verbunden mit der klaren Forderung nach Veränderung. Was sie trennt: die Schwer- punktsetzung, was eine ideale Gesundheitsversorgung ausmacht.

Je näher am Klinikalltag, desto größer die Skepsi“

Die Studie zeigt zudem, dass die patientennahen Akteursgruppen „Klinikleitung & Klinikverbände”, aber auch „Medizin & Pflege” die Krankenhausreform eher kritisch sehen, während aus der Perspek- tive der Gruppen „Versicherungen & Sozialverbände”, aber auch „Politik & Ministerien” sowie „externe Fachexpertise” die Krankenhausreform eher positiv erscheint.

Fünf Handlungsfelder im Fokus

Der Zielkonflikt der drei Perspektiven hinsichtlich einer idealen Gesundheitsversorgung wird durch die Krankenhausreform nur zum Teil aufgelöst. In der Studie lassen sich fünf zentrale Handlungsfelder identifizieren. Sie betreffen zum einen Themen, die in der Reform bislang unzureichend berücksichtigt wurden, und spiegeln zum anderen Schnittmengen der drei Idealvorstellungen wider – Bereiche also, denen eine besondere Relevanz zukommt und die eine entsprechend hohe Hebelwirkung entfalten:

  1. Bürokratieabbau und Stärkung der Eigenverantwortlichkeit: Die Erwartungen wurden bislang enttäuscht – statt Abbau erleben viele Akteure lediglich eine Verschiebung der Bürokratie.
  2. Versorgungssicherung: Hier wird insbesondere von der Gruppe „verlässliche Daseinsvorsorge“ das große Risiko gesehen, dass die Reform auf Kosten der heute weitestgehend gegebenen Versorgungssicherheit geplant wird.
  3. Förderung der Krankenhausinfrastruktur: Die Reform bietet hier einen großen Fördertopf – doch ob die Fördermittel ausreichen und tatsächlich dort ankommen, wo es sinnvoll ist, scheint fraglich.
  4. Patientensteuerung am Krankenhaus: Hier bleiben strukturelle Impulse bislang aus, gleichzei- tig stellt die Patientensteuerung – sowohl innerhalb einzelner Häuser als auch standortüber- greifend – schon heute eine wichtige und notwendige Handlungsoption dar, die nicht zwin- gend auf gesetzliche Anpassungen angewiesen ist.
  5. Sektorenübergreifende Steuerung: Zwar nimmt die Krankenhausreform das vorherrschende Silodenken als Problem auf, doch sind diese Ansätze nicht ausgereift und es zeigt sich erneut mehr „Stückwerk“ als verbindliches Gesamtkonzept – beispielhaft seien fehlende Eckpunkte zu Sektorenübergreifenden Versorgungszentren wie auch das strikte Ausklammern der Berei- che Prävention, Reha und Nachsorge genannt.

Strukturqualität und Gesamtblick als Schlüssel

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung: Die größte Hebelwirkung für eine tragfähige Reform liegt im Dreiklang aus sektorenübergreifender Versorgung, intelligenter Patientensteuerung sowie Sicherstellung der Förderung der Krankenhausinfrastruktur. Insbesondere die sekto- renübergreifende Versorgung wird von nahezu allen Akteursgruppen als entscheidender He- bel benannt – bleibt aber im aktuellen Reformprozess unterrepräsentiert. Würde dieses Thema in den Fokus genommen, hätte dies für die meisten anderen Bereiche einen starken positiven Abstrahleffekt.

Die jüngste Bundesratsdebatte zum Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) hat diese Leerstelle deutlich adressiert: Gefordert wurden Nachbesserungen bei medizinisch-pflegeri- scher Versorgung, Leistungsspektrum, Qualitätsanforderungen und finanzieller Absicherung neuer Versorgungsstrukturen. Die Diskussionen unterstreichen, dass es in diesem zentralen Reformfeld bislang an grundlegenden Voraussetzungen fehlt.

Fazit: Reform hätte Potenzial – aber ohne Kompass bleibt Orientierungslosigkeit

Die Studie macht deutlich: Die Krankenhausreform wird in ihrer aktuellen Ausgestaltung hin- sichtlich einzelner Maßnahmen begrüßt – etwa der Förderung der Infrastruktur – doch fehlt die kohärente Gesamtstrategie. Vielleicht liegt das Problem bereits im Namen KRANKEN- HAUS-Reform – wo sie doch nicht nur die Kliniken betrifft, sondern vielmehr sektorübergrei- fend gedacht werden müsste.

Zu Methodik

Der nextexpertizer ist ein innovatives Verfahren, das entwickelt wurde, um kollektive Bedeu- tungsstrukturen in sozialen Systemen sichtbar zu machen. Aufbauend auf der Theorie der per- sönlichen Konstrukte von George Alexander Kelly kombiniert der nextexpertizer qualitative und quantitative Ansätze, um individuelle Wahrnehmungen zu einem übergreifenden kollektiven Verständnis zu verdichten. Ziel ist es, die gemeinsamen Bedeutungsstrukturen, die das kollek- tive Handeln steuern, präzise zu erfassen und für strategische Entscheidungen nutzbar zu ma- chen.

Weitere Informationen

Eine Management Summary, die Ergebnispräsentation als Video und als PDF Download finden sich auf der eingerichteten Studienseite: https://nextpractice.net/Krankenhausreform

Studienleitung

André Sobieraj                                                          Fred Andree

nextpractice GmbH & Co KG                                     ENDERA-Gruppe GmbH

Tel: 0421 3355 880                                                    Tel: 02241 127 397 0

E-Mail: a.sobieraj@nextpractice.de                           E-Mail: f.andree@endera-gruppe.de

Quelle:
endera-gruppe.de

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