Durchgangsärztliche Versorgung unter Druck: Verbände wehren sich gegen Hausarzt-Erstvorstellung

Fünf Verbände fordern im Primärversorgungssystem eine Ausnahme für Unfallverletzte. Die durchgangsärztliche Versorgung soll ohne Hausarzt-Umweg erhalten bleiben…

23. Juli 2026
  • Politik

Fünf Fachverbände, darunter der BDC und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, sehen das geplante Primärversorgungssystem als Gefahr für eine bewährte Versorgungsstruktur. In einem gemeinsamen Positionspapier verlangen sie, dass Unfallverletzte die verpflichtende Hausarzt-Erstvorstellung umgehen und Durchgangsärzte direkt aufsuchen dürfen.

Das geltende Durchgangsarzt-System greift, sobald eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit von mehr als einem Tag oder eine Behandlungsbedürftigkeit von mehr als einer Woche zu erwarten ist. Leichtere Verletzungen werden dabei gezielt aus dem fachärztlichen Pfad herausgehalten. Bei relevanteren Fällen entscheidet die unfallchirurgisch-orthopädische Ersteinschätzung, ob eine „Besondere Heilbehandlung“ oder die Weiterbehandlung durch einen Vertragsarzt im Rahmen der „Allgemeinen Heilbehandlung“ angemessen ist.

BDC-Präsident Dietmar Pennig argumentiert, Hausärzte seien für chronisch kranke, multimorbide und koordinationsbedürftige Patienten unverzichtbar. Mit Unfallverletzungen, für die spezialisierte Strukturen bereits vorhanden seien, sollten sie nicht zusätzlich belastet werden. Niedergelassene Durchgangsärzte seien vertraglich zur Offenhaltung ihrer Praxen für Arbeits- und Schulunfälle verpflichtet und entsprechend ausgestattet.

Die Verbände warnen vor Doppelstrukturen, unnötigen Mehrfachkontakten und Qualitätseinbußen, sollte der direkte Zugang entfallen. Neben dem BDC tragen die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie, der Bundesverband der Durchgangsärzte und der Berufsverband Niedergelassener Chirurgen das Papier mit.

Quelle:
aerzteblatt.de

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