EndoMind zeigt in randomisierter Studie keinen signifikanten Zusatznutzen bei der KI-gestützte Polyperkennung

In fünf deutschen Privatpraxen zeigte das KI-System EndoMind bei Koloskopien keinen signifikanten Vorteil. Erfahrene Gastroenterologen entdeckten mit der Software nicht mehr Adenome als ohne Unterstützung…

17. April 2026
  • Data und KI
  • Digitale Klinik

Eine randomisierte Studie aus Deutschland zeigt, dass KI-gestützte Polyperkennung die Adenomdetektionsrate erfahrener Gastroenterologen in der ambulanten Darmkrebsvorsorge nicht signifikant verbessert. Das in Würzburg entwickelte System EndoMind brachte in fünf deutschen Privatpraxen keinen messbaren Zusatznutzen.

Die Studie lief zwischen November 2021 und November 2022. 914 Patienten wurden zufällig einer Koloskopie mit oder ohne KI-Unterstützung zugewiesen. Alle zehn beteiligten Untersucher arbeiteten seit mehr als zehn Jahren in ihrem Fach und hatten jeweils mehr als 10.000 Koloskopien durchgeführt. Die Adenomdetektionsrate lag mit KI bei 34,5 Prozent und ohne KI bei 32,9 Prozent. Die Differenz von 1,6 Prozentpunkten war nicht signifikant. Auch bei Polypdetektionsrate, serratierten Läsionen, Adenomen pro Untersuchung und Rückzugszeit fanden die Autoren keine bedeutsamen Unterschiede.

Technisch erfüllte EndoMind laut Studie die Voraussetzungen für einen klinischen Nutzen. Das System nutzt eine YOLOv4-Architektur, wurde mit mehr als 506.000 manuell annotierten Bildern trainiert und erkannte Polypen mit einer medianen Zeit von 130 Millisekunden. Die Rate falsch-positiver Meldungen lag bei 2,2 Prozent.

Als wesentlichen Grund nennen die Autoren einen Deckeneffekt. Die Kontrollgruppe erreichte mit 32,9 Prozent bereits eine deutlich höhere Adenomdetektionsrate als die bei der Planung angenommenen 25 Prozent. Für den Nachweis eines kleinen Effekts wären nach Schätzung der Autoren mehr als 6.000 Patienten pro Gruppe nötig gewesen. Die Ergebnisse passen zu anderen kritischen Studien und zu einer zurückhaltenden Bewertung in aktuellen Leitlinien.

Quelle:
heise.de

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