Ernst-von-Bergmann-Klinikum digitalisiert die Pathologie und warnt vor zu großer KI-Abhängigkeit
Am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam prüft eine KI Prostata-Gewebeproben noch vor dem Pathologen. Das beschleunigt die Analyse, ersetzt aber weder Fachärztinnen und Fachärzte noch das Vier-Augen-Prinzip…
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Das Institut für Pathologie am Klinikum Ernst von Bergmann nutzt KI bereits zur Diagnostik von Prostata-Krebs. Die Software prüft Gewebeproben vor dem ersten Blick des Pathologen und markiert dabei auffällige Bereiche. Die Analyse beschleunigt sich dadurch deutlich, aber eine ärztliche Diagnose ersetzt das System nicht. Chefarzt Prof. Gerald Niedobitek beschreibt für den Einsatz der Technik ein klar geregeltes Verfahren im Klinikalltag. Zuerst digitalisiert das Institut die Probe und lädt sie für die Auswertung auf eine Plattform. Ein spezieller Algorithmus markiert dort alle auffälligen Stellen in einer Heatmap rot. Niedobitek prüft diese markierten Bereiche immer zuerst. Das spart Zeit und hilft ihm maßgeblich bei der Einschätzung der Bösartigkeit eines Tumors. Diese Bewertung beeinflusst direkt die weitere Behandlung sowie die konkrete Therapie der Patienten.
Der Chefarzt zieht hier aber eine klare Grenze. Er übernimmt keinen Befund der KI ungeprüft, denn bei Krebsbefunden gilt weiterhin das Vier-Augen-Prinzip. Ein weiterer Kollege kontrolliert die Probe im Anschluss. Niedobitek sieht die gesamte Pathologie durch die Digitalisierung in einem stetigen Wandel. Das Fach rückt von der Diagnostik am Mikroskop zur Arbeit am Bildschirm. Dies erleichtert die Zusammenarbeit über verschiedene Standorte hinweg, während die KI künftig Proben nach ihrer Dringlichkeit vorsortieren könnte. Das würde die vier Pathologen im Klinikum entlasten, doch den Fachkräftemangel löst die Technik nicht. Auch in der Weiterbildung sieht Niedobitek ein Risiko für die Entwicklung der Fachkräfte. Wer sich zu früh auf die KI verlässt, könnte seine eigenen diagnostischen Fähigkeiten verlieren.
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