Expert:innenrunde in Berlin fordert Aufbruch in der Gendermedizin

Gesundheitsdaten bergen enormes Potenzial für eine geschlechtersensible Versorgung. Doch zu oft bleiben sie ungenutzt. Eine Veranstaltung von BVMed und Taylor Wessing zeigte: Deutschland könnte dank stabiler Rechtslage führend in der Gendermedizin sein, wenn Datennutzung, Qualität und Mut zunehmen.

9. Juli 2025
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Gendermedizin gilt als zentraler Hebel für bessere Versorgung, doch ihr Potenzial wird bislang kaum ausgeschöpft. Bei einer Fachveranstaltung von BVMed und Taylor Wessing in Berlin diskutierten rund 80 Expert:innen, wie sich Gesundheitsdaten rechtssicher und nutzbringend einsetzen lassen. Natalie Gladkov vom BVMed erinnerte daran, dass laut Koalitionsvertrag Forschung, Prävention und Behandlung künftig geschlechts- und diversitätssensibel gestaltet werden sollen.

Prof. Dr. Ute Seeland von der Universität Magdeburg mahnte, dass Gendermedizin bislang kaum gelehrt werde. Mit der ersten Vollzeitprofessur in diesem Bereich will sie neue Studien auf den Weg bringen. Sie plädiert für systemische statt rein organspezifische Betrachtungen. Gerade bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede in Symptomen und Verlauf. Digitale Technologien, KI und Datenanalysen könnten die Früherkennung verbessern und die Mortalität senken. Krankenkassen müssten dafür ihre Daten öffnen – und würden im Gegenzug auch wirtschaftlich profitieren.

Christiane Hagel von der Universität Oxford verwies auf erhebliche Gesundheitsungleichheiten: Frauen verbringen laut Studien rund 25 Prozent mehr Lebenszeit in schlechter Gesundheit. Für sie ist Datennutzung nicht nur ein medizinischer, sondern auch ein ökonomischer Treiber. Deutschland habe aufgrund seiner Rechtslage die Chance, hier internationale Maßstäbe zu setzen. Evidenz sei die Voraussetzung für Innovation.

Dr. Carolin Monsees (Taylor Wessing) wies darauf hin, dass KI nur so gut sei wie die zugrunde liegenden Daten. Der AI-Act der EU setze hier verbindliche Standards. Jörg M. Huber (Dexcom) verwies auf konkrete Fortschritte im Diabetesmanagement durch kontinuierliche Glukosemessung. Andrea Galle (mkk) kritisierte gesetzliche Hürden: Krankenkassen dürften Abrechnungsdaten nicht mit Versorgungsdaten zusammenführen. Sie forderte ein Ende der Blockaden: „Wir brauchen mehr Mut und müssen einfach mal machen.“

Quelle:

hcm-magazin.de


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