Fallpauschalen, IGeL und Renditedruck verändern die Patientenversorgung
Medizinethiker Arne Manzeschke beschreibt, wie Fallpauschalen, Renditeerwartungen und IGeL-Angebote die Versorgung beeinflussen, und fordert gemeinsame strukturelle Antworten für eine menschengerechte Gesundheitsversorgung…
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Die Ökonomisierung verändert nach Einschätzung von Prof. Dr. theol. habil. Arne Manzeschke die Patientenversorgung in Kliniken und Arztpraxen spürbar. Besonders im Krankenhauswesen habe sich diese Entwicklung mit der Einführung der DRG 2003 massiv beschleunigt. Bei privaten Krankenhausträgern entstehe durch Renditeerwartungen von Aktionärinnen und Aktionären eine andere Dynamik als in Arztpraxen, in denen es um ein angemessenes Auskommen der dort Arbeitenden und einen guten medizinischen Stand gehe.
Manzeschke berichtet aus Interviews mit Pflegekräften sowie Ärztinnen und Ärzten. Eine Pflegekraft habe Patientinnen und Patienten nach Ausschöpfung der Fallpauschale keinen Apfelsaft mehr ans Bett gebracht, sondern nur Wasser. Ärztinnen und Ärzte hätten geschildert, dass medizinische Entscheidungen zunehmend davon bestimmt würden, ob sich eine Leistung rechne. Das könne zu Unter- oder Überversorgung führen.
Auch in der ambulanten Versorgung sieht Manzeschke problematische Anreize, etwa bei IGeL-Angeboten. Für Patientinnen und Patienten sei oft schwer zu beurteilen, ob eine Leistung medizinisch angezeigt sei oder vor allem der Praxis Einnahmen bringe. Zugleich verweist er auf Überlastung: Die Burnout-Rate in der Pflege sei mehr als doppelt so hoch wie im Rest der Bevölkerung.
Verantwortung sieht Manzeschke nicht nur bei Einzelnen. Fachgesellschaften, Organisationen und Verbände müssten Strukturen verändern. Teams und Professionen sollten Probleme gemeinsam analysieren und eine Kultur schaffen, in der Belastungen und Fehlentwicklungen offen besprochen werden.
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