Fehlende Beteiligung der Pflege fördert Frust und „Digitization Fatigue“
Michaela Hansen von Imprivata fordert, Pflegekräfte stärker an Digitalprojekten zu beteiligen. Nur praxistaugliche, gut geschulte und nutzerfreundliche Systeme schaffen Entlastung, vermeiden Frust und verbessern die Patientenversorgung…
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Michaela Hansen, Clinical Workflow Specialist DACH bei Imprivata, fordert mehr Mitspracherecht für Pflegekräfte bei der Auswahl und Einführung digitaler Systeme im Krankenhaus. Sie sieht darin eine zentrale Voraussetzung, damit Digitalisierung die Arbeit wirklich erleichtert und nicht zusätzliche Belastung erzeugt.
Hansen begründet das mit dem Wandel des Pflegeberufs. Die Ausbildung akademisiert sich, die Kompetenzen steigen und Pflegekräfte übernehmen zunehmend Aufgaben, die früher Ärztinnen und Ärzten vorbehalten waren. Sie verweist auf Zahlen von BIBB und Deutschem Ärzteblatt, wonach 2020 nur 1,74 Prozent der Pflegekräfte einen akademischen Abschluss hatten. Zugleich zeigt laut DBfK-Umfrage eine klare Mehrheit von 70 Prozent der Befragten, dass sie sich erweiterte Kompetenzen und medizinische Entscheidungen nach entsprechender Weiterbildung zutraut.
Für die Digitalisierung heißt das aus ihrer Sicht: Pflegekräfte können die Praxistauglichkeit digitaler Tools beurteilen, weil sie täglich damit arbeiten. Hansen verweist außerdem auf einen IGES-Sachbericht für das Bundesgesundheitsministerium, nach dem 87 Prozent der vollstationär in Pflege und Betreuung Arbeitenden einen zunehmenden Technikeinsatz für notwendig halten.
Bleibt die Pflege außen vor, drohen laut Hansen komplizierte Abläufe, fragmentierte Systeme und „Digitization Fatigue“. Als Gegenmittel nennt sie Schulungen, Mentoren, Key User und neue Führungsrollen wie den Chief Nursing Informatics Officer. Nur wenn Pflege, Medizin und IT gemeinsam entscheiden, entsteht aus ihrer Sicht echter Mehrwert für Versorgung, Sicherheit und Arbeitszufriedenheit.
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