Fehlzeiten im Faktencheck: Was stimmt und was nicht
Die Debatte um hohe Fehlzeiten stützt sich nur teilweise auf belastbare Daten. Internationale Vergleiche verzerren, einfache Erklärungen greifen zu kurz. Studien verweisen auf strukturelle Faktoren und neue Instrumente wie Teilkrankschreibungen…
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Internationale Vergleiche nur eingeschränkt belastbar
Fehlzeiten in Deutschland stehen politisch im Fokus. Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung weisen für 2022 hohe durchschnittliche Krankheitstage aus. Fachanalysen verweisen jedoch auf unterschiedliche Erfassungslogiken. Deutschland erfasst durch elektronische Meldesysteme nahezu alle Ausfalltage.
Tele-AU statistisch von geringer Bedeutung
Die telefonische Krankschreibung gilt in der Debatte häufig als Treiber steigender Fehlzeiten. Auswertungen von Krankenkassen und dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung zeigen jedoch Anteile unter zwei Prozent. Auch der AOK-Bundesverband meldet für 2024 nur einen sehr geringen Umfang telefonisch ausgestellter Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen.
Lohnfortzahlung und Karenztage ohne klare Wirkung
Studien zur Wirkung gekürzter Lohnfortzahlung liefern ein uneinheitliches Bild. Das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung beschreibt sinkende Fehlzeiten bei reduzierter Entgeltfortzahlung. Andere Länder mit vergleichbaren Regelungen weisen dennoch niedrige Ausfallquoten auf. Karenztage könnten kurzfristig Kosten senken, langfristig aber gesundheitliche Risiken erhöhen.
Teilkrankschreibung als langfristiger Ansatz
Modelle aus Skandinavien und der Schweiz zeigen, dass Teilkrankschreibungen die Dauer von Arbeitsunfähigkeit verkürzen können. Auch deutsche Fachgremien empfehlen eine stärkere Nutzung. Berechnungen des ZEW gehen von einem spürbaren Produktivitätseffekt aus, sofern Teilmodelle systematisch eingeführt werden.
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