Gendermedizin: Wenn Normbehandlungen versagen

Die Expert:innenrunde auf dem Hauptstadtkongress 2025 rechnet mit alten Denkmustern ab: Gendermedizin sei kein Luxus, sondern Pflicht. Ob Herzinfarkt oder Menopause, Standardtherapien ignorieren geschlechtsspezifische Unterschiede mit dramatischen Folgen. Gefordert wird ein interdisziplinärer Umbau des Versorgungssystems, von den Hausarztpraxen bis zur Hochschullehre. Nur so lasse sich eine gerechte und zukunftsfähige Medizin gestalten.

7. Juli 2025
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Gendermedizin als Pflichtaufgabe – Hauptstadtkongress fordert interdisziplinären Systemumbau

Auf dem Hauptstadtkongress 2025 in Berlin rückte die Session „Gendermedizin“ die strukturellen Versorgungsdefizite geschlechterspezifischer Medizin in den Fokus. Fachleute aus Klinik, Forschung, Krankenkassen und Politik mahnten eine konsequente Abkehr vom „One-Size-Fits-All“-Prinzip an.

Dr. Georg Kippels (BMG) forderte in seinem Grußwort eine stärkere politische Berücksichtigung hormonell beeinflusster Erkrankungen wie Endometriose oder Lipödem und stellte die präventive Versorgung in den Vordergrund.

Dr. Katrin Schaudig, Präsidentin der Deutschen Menopause Gesellschaft, verwies auf die volkswirtschaftlichen Schäden durch unzureichend behandelte Wechseljahrsbeschwerden. Etwa 20 Prozent der betroffenen Frauen ziehen sich vorzeitig aus dem Berufsleben zurück, mit geschätzten Kosten von rund 9,4 Mrd. Euro jährlich.

Kardiologe Prof. Dr. Michael Becker kritisierte die stereotype Interpretation weiblicher Symptome, etwa bei Herzinfarkt, und forderte gezielte Aus- und Weiterbildung. Frauen sterben laut Becker häufiger an Herzerkrankungen, da Diagnostik und Therapie oft nicht angepasst seien.

PD Dr. Tobias Jäger betonte die Notwendigkeit geschlechterspezifischer Präventionsstrategien auch für Männer. Er plädierte u. a. für rezeptfreien Zugang zu Medikamenten gegen Erektionsstörungen und bessere Aufklärung über Prostatavorsorge.

Stefanie Bosch (BKK Dachverband) forderte erweiterte Kompetenzen für Betriebsärzt:innen, um insbesondere Männern niedrigschwellige Zugänge zur Versorgung zu ermöglichen. Juliana Kley (bvmd) sprach sich für Gendermedizin als Querschnittsfach im Medizinstudium aus.

Die Expert:innen forderten neben angemessener Honorierung für Beratungsleistungen auch einen Männergesundheitsbericht nach Vorbild des bestehenden Frauenberichts. Ziel sei eine flächendeckend gerechte Versorgung.

Einigkeit herrschte darüber, dass gendersensible Medizin eine interdisziplinäre Aufgabe sei. Ohne gemeinsame Anstrengungen aus Klinik, Wissenschaft, Politik und Bildung lasse sich der strukturelle Wandel nicht bewältigen.

Quelle:

volksfreund.de


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