Geplante Begrenzung des Pflegebudgets gefährdet laut Charité die Strukturen, die Professionalisierung erst ermöglichen

Die Charité stellt mit dem „Zielbild Pflege 2035“ die Pflege als gestaltende Profession neu auf. Mehr Eigenverantwortung, klare Rollendefinitionen und ein eigener „Scope of Practice“ für akademisierte Pflegefachpersonen…

23. Juni 2026
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Die Charité – Universitätsmedizin Berlin positioniert Pflege mit dem „Zielbild Pflege 2035“ als eigenständige, wissenschaftlich fundierte Profession. Ziel ist nicht die Reaktion auf aktuelle Krisen wie Fachkräftemangel oder Finanzierungsdruck, sondern die strukturelle Stärkung pflegerischer Verantwortung in Versorgung, Steuerung und Systemgestaltung.

Stellvertretende Pflegedirektorin Stephanie Schönbeck beschreibt „gestaltende Pflege“ als aktive Beteiligung an Planung und Weiterentwicklung von Versorgungsprozessen. Pflegefachpersonen sollen den Pflegeprozess eigenverantwortlich steuern, Risiken früh erkennen und im interprofessionellen Team gleichberechtigt mitentscheiden.

Ein konkretes Instrument ist der „Scope of Practice“, ein verbindlicher Handlungsrahmen für Pflegefachpersonen mit Bachelorabschluss, der Kompetenzen, Entscheidungsbefugnisse und Verantwortungsgrenzen klar beschreibt. Er soll Orientierung für Pflegende, Teams und Führungskräfte schaffen und ist ausdrücklich kein Abgrenzungsinstrument gegenüber beruflich qualifizierten Pflegefachpersonen.

Evidenzbasierung und Pflegewissenschaft sollen nicht parallel zur Praxis laufen, sondern wechselseitig verbunden sein. Akademisierte Pflegefachpersonen übernehmen dabei eine Brückenfunktion zwischen klinischer Erfahrung und wissenschaftlicher Kompetenz.

Schönbeck weist zudem auf ein politisches Risiko hin. Die im Gesetzentwurf zur GKV-Beitragsstabilisierung vorgesehene Begrenzung des Pflegebudgets könnte genau jene Strukturen gefährden, die das Zielbild aufbauen will. Sie fordert eine Finanzierungslogik, die pflegerische Leistungen und ihren Beitrag zur Versorgungsqualität differenziert abbildet und angemessen vergütet.

Quelle:
bibliomed-pflege.de

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