Gesundheitsberufe zunehmend Ziel von Übergriffen

Gewalt in Kliniken und Praxen nimmt deutlich zu. Ärzt:innen und Pflegekräfte sehen sich immer häufiger Beschimpfungen, Drohungen und körperlichen Angriffen ausgesetzt. Verbände und Kliniken schlagen Alarm. Sie fordern härtere Strafen, mehr Schutz und ein bundesweites Meldesystem. Notaufnahmen gelten als Brennpunkte. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft kritisiert fehlende Konsequenzen für Täter und warnt vor einer gefährlichen Normalisierung der Gewalt im Gesundheitswesen.

14. Juli 2025
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Aggressionen gegenüber medizinischem Personal haben sich in den vergangenen Jahren zu einem strukturellen Problem im Gesundheitswesen entwickelt. Ärzt:innen, Pflegekräfte und weitere Beschäftigte in Kliniken und Praxen sind zunehmend mit verbaler und körperlicher Gewalt konfrontiert. Besonders betroffen sind Notaufnahmen, in denen sich Frust, Überforderung und gesellschaftliche Spannungen entladen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und die Bundesärztekammer sprechen von einer besorgniserregenden Verrohung und fordern entschiedene politische Reaktionen.

Laut einer aktuellen Umfrage der MEDI-Ärzt:innen in Baden-Württemberg berichten zwei Drittel der Praxen von regelmäßigen verbalen Angriffen, fast jede fünfte Einrichtung erlebt mehrfach im Monat Gewalt. Auch in Krankenhäusern zeigt sich ein klarer Trend: Über 70 Prozent der Einrichtungen verzeichnen einen Anstieg an Übergriffen, wobei die Pflege besonders betroffen ist. Trotz vorhandener Schulungsangebote, wie Deeskalationstrainings, fehlt es aus Sicht der Berufsverbände an strukturellem Schutz.

Die DKG kritisiert insbesondere die juristische Praxis, in der viele Vorfälle folgenlos bleiben. Beschäftigte verzichten aus Resignation oder Zeitmangel häufig auf Anzeigen. Die Forderung nach einem unbürokratischen Meldesystem und härteren Strafen wird daher lauter. Zusätzlich werden Investitionen in Sicherheit, bauliche Maßnahmen und geschultes Personal notwendig. Ein Zustand, in dem Krankenhäuser zu Hochsicherheitszonen werden müssen, sei jedoch nicht akzeptabel. Gesundheitsberufe sind keine Risikoberufe, sondern sie benötigen Schutz, nicht Schutzmaßnahmen im Selbstschutzmodus.

Quelle:

rnd.de


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