Gesundheitsökonom sieht Abkehr vom Bedarfsprinzip in der Gesundheitsversorgung

Gesundheitsökonom Heinz Rothgang warnt, dass die Reformpläne von Ministerin Nina Warken das Bedarfsprinzip schwächen könnten. Er befürchtet dadurch Wartelisten, aufgeschobene Operationen und Einschränkungen bei Leistungen…

17. April 2026
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Die Reformpläne von Gesundheitsministerin Nina Warken könnten nach Einschätzung von Heinz Rothgang die Logik der Gesundheitsversorgung verändern. Der Bremer Gesundheitsökonom Heinz Rothgang warnt vor einer Abkehr vom Bedarfsprinzip. Er hält Wartelisten, aufgeschobene Operationen und spätere Leistungseinschränkungen für mögliche Folgen.

Rothgang kritisiert vor allem das von Warken angestrebte Prinzip der „einnahmeorientierten Ausgabenpolitik“. Er sagte dem „Spiegel“, dieser Ansatz klinge zwar einleuchtend, sei aber vom Ansatz her verfehlt. Seine Begründung: Die Einnahmen des Gesundheitssystems würden sich dann stärker an der Konjunktur orientieren und könnten in einer tiefgreifenden Wirtschaftskrise auch fallen.

Die Ausgaben entwickeln sich aus seiner Sicht anders. Rothgang verweist auf die Alterung der Gesellschaft und den medizinisch-technischen Fortschritt. Beide Faktoren trieben die Kosten. Dass Einnahmen und Ausgaben halbwegs synchron wachsen, hält er für kaum realistisch.

Der Wissenschaftler sieht deshalb eine schleichende Abkehr von der bisherigen Orientierung am medizinischen Bedarf. Bislang gelte das Prinzip, dass Menschen die Behandlungen erhalten, die sie nach aktuellem Stand der Medizin benötigen. Erst danach werde die Finanzierung gesichert. Warkens Pläne würden diese Reihenfolge nach seiner Einschätzung schrittweise umdrehen.

Als Vergleich nennt Rothgang das britische Modell. Dort entscheide die Regierung, wie viel Geld der Gesundheitsdienst NHS erhält. Wenn die Mittel aufgebraucht sind, entstehen nach seinen Worten Wartelisten und Operationen werden verschoben. In einer lang anhaltenden Wirtschaftskrise hält er erhebliche Kürzungen bei Vergütungen politisch für schwer durchsetzbar. Wahrscheinlicher seien dann Einschränkungen bei Leistungen.

Quelle:
evangelisch.de

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