Globale Antibiotika-Analyse zeigt Überversorgung in reichen, Unterversorgung in ärmeren Ländern
Eine Lancet-Studie zeigt: In 48 von 67 Ländern übersteigt der Antibiotikaverbrauch den medizinisch geschätzten Bedarf, während Reserve-Antibiotika vielerorts zu selten eingesetzt werden…
- QM
Eine im Fachjournal „The Lancet“ veröffentlichte Studie belegt, dass der globale Antibiotikaverbrauch in vielen Ländern erheblich vom medizinisch geschätzten Bedarf abweicht. Für 2019 berechneten die Forschenden einen weltweiten Optimalbedarf von rund 43 Milliarden definierten Tagesdosen, davon sollten etwa 77 Prozent auf Access-Antibiotika entfallen.
48 von 67 untersuchten Ländern verbrauchten mehr Antibiotika als rechnerisch erforderlich. Besonders ausgeprägt war die Überversorgung in einkommensstarken Ländern. 33 von 38 Staaten lagen über dem geschätzten optimalen Verbrauch.
Zugleich setzten 66 der 67 Länder, darunter Deutschland, zu viele Antibiotika aus der WHO-Klasse „Watch“ ein. Diese Mittel tragen ein erhöhtes Resistenzrisiko und sollten nur gezielt verwendet werden. Gleichzeitig nutzten 28 Länder weniger Access-Antibiotika als empfohlen, obwohl diese Gruppe ein geringeres Resistenzpotenzial aufweist und bei vielen Infektionen als erste oder zweite Wahl gilt.
Mehr als die Hälfte der Länder verwendete zudem weniger Reserve-Antibiotika als geschätzt notwendig. Die Studienautoren nennen als mögliche Ursachen fehlenden Zugang, hohe Preise, schwache Lieferketten und eingeschränkte Diagnostik.
Für Deutschland zeigt die Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO): 2023 wurden 36,1 Millionen Packungen mit rund 325 Millionen Tagesdosen ambulant abgerechnet, der Access-Anteil lag bei 62 Prozent. Bis 2025 stieg dieser Anteil auf 68,6 Prozent bei 306,36 Millionen abgegebenen Tagesdosen.
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