Pressemeldung

Greifswalder Professorin fordert eine geschlechtersensible Medizin

Zwischen Mann und Frau gibt es nicht berücksichtigte Geschlechter-Unterschiede in Krankheitsrisiken, Symptomen, Krankheitsverläufen und bei den Nebenwirkungen. Bei einem Vortrag in Lübeck referierte die Greifswalder Professorin Sylvia Stracke zu dem Thema und verwies auf die Defizite…

21. Januar 2026
  • Medizin

Frau Prof. Sylvia Stracke forderte, die Geschlechterunterschiede bereits bei der Planung von medizinischen Studien mitzudenken. Damit schaffen wir die Grundlage für geschlechtssensible Therapie-Empfehlungen in den medizinischen Leitlinien, so Stracke.

Beispielhaft finden sich die Unterschiede in der Erkennung und Behandlung der chronischen Nierenkrankheit. Diese ist bei Frauen häufiger vorhanden als bei Männern. „Frauen bekommen aber seltener die Nierenfunktion bestimmt, werden seltener in die Nierenheilkunde überwiesen und werden im Vergleich zu Männern mit chronischer Nierenkrankheit seltener leitliniengerecht behandelt“, berichtet Stracke.

Auch beim Blutdruck werden die Unterschiede deutlich. „Bei Frauen ist der Blutdruck vor der Menopause niedriger, steigt aber danach an und ist dann höher als bei gleichaltrigen Männern“, erklärt Stracke. „Studien belegen zudem, dass Frauen bereits bei einem niedrigeren Blutdruck mit höherer Wahrscheinlichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall erkranken als Männer.“

Über die biologische Perspektive hinaus ist auch die geschlechtersensible Auswertung medizinischer Studien relevant. Bei Medikamenten treten beispielsweise bei Frauen häufiger Nebenwirkungen auf als bei Männern. Hier kann die Ursache auf eine Unterrepräsentation von Frauen in den klinischen Studien zurückgeführt werden. „Wenn in manchen, auch neueren Studien ein Verhältnis von 65:35 zu Gunsten des männlichen Geschlechts herrscht, gibt es für Frauen weniger Sicherheitsdaten aus den Studien. Deswegen muss auch hier geschlechtersensibler gedacht und gehandelt werden“, fasst Professor Stracke den Umstand zusammen. „Die Anpassung der medizinischen Leitlinien ist daher folgerichtig.“

Das Greifswalder interdisziplinäre Projekt „Inklusive Exzellenz in der Medizin“ von der Universität Greifswald und der Universitätsmedizin Greifswald mit Professor Stracke als Verbundkoordinatorin befasst sich mit diesen geschlechtersensiblen Betrachtungen mit dem Ziel, das Geschlecht systematisch in die medizinische Forschung zu integrieren, um die Grundlage für eine umfassendere und gerechtere Gesundheitsversorgung zu ermöglichen.

Quelle:
unimedizin-greifswald.de

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