Haben wir eine Sechs-Klassen-Medizin?
Bei „Hart aber fair“ diskutierten die Gäste über Ungleichheiten im Gesundheitssystem, lange Wartezeiten, steigende Kosten und die Bedeutung von Prävention…
- Politik
Bei „Hart aber fair“ stand am gestrigen Abend die Gerechtigkeit des deutschen Gesundheitssystems im Mittelpunkt. Gesundheitsökonomin Clara Schlagowski beschrieb das System als „Sechs-Klassen-Medizin“ und verwies auf deutliche Unterschiede beim Zugang zu Terminen und Behandlungen:
Nach ihrer Einordnung stehen Privatversicherte an der Spitze, weil sie am schnellsten Termine und Behandlungen erhalten. Danach folgen gesetzlich Versicherte, die über Zuzahlungen Wartezeiten verkürzen können, sowie gesetzlich Versicherte mit hilfreichem Umfeld. Normal gesetzlich Versicherte ohne Kontakte müssten schon deutlich länger auf Termine warten. Weitere Gruppen seien Menschen mit besonderen Barrieren, etwa in strukturschwachen Regionen oder mit psychischen Erkrankungen, sowie rund 70.000 Menschen ohne Krankenversicherung.
Dr. Eckart von Hirschhausen betonte zugleich, die gesetzliche Krankenversicherung sei eine große Errungenschaft, weil kranke Menschen nicht mit Armut bestraft würden. Andreas Gassen sprach von einem der leistungsstärksten Gesundheitssysteme, sieht jedoch erheblichen Verbesserungsbedarf. Auch CDU-Politiker Prof. Hendrik Streeck räumte ein, dass das System nicht perfekt sei.
Patrice Aminati berichtete von ihrer Erkrankung an schwarzem Hautkrebs und warb für mehr Vorsorge. Sie sagte, Prävention sei der beste Weg, um Kosten zu sparen, und appellierte an Patientinnen und Patienten, aktiv mit Ärztinnen und Ärzten nach Lösungen zu suchen.
Gebündelt, stets aktuell und immer handverlesen werden alle Neuigkeiten gesammelt und anwenderbezogen aufbereitet.