ifo Institut fordert systemübergreifende Bewertung von Gesundheitsreformen

GKV-Kürzungen senken Kassenbeiträge, können aber Kosten in Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung erhöhen. ifo-Forscher fordern eine systemübergreifende Bewertung…

21. Juli 2026
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Einsparungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung können Kosten in andere Zweige des Sozialstaats verlagern. Davor warnen Roman Klimke vom ifo Institut und Maria Polyakova von der Stanford University in einer gemeinsamen Publikation im ifo Schnelldienst 7/2026.

Klimke kritisiert, dass Leistungskürzungen bislang nur am GKV-Haushalt gemessen werden. Wer Erwerbsfähigkeit einbüße, zahle weniger Beiträge und beziehe häufiger Leistungen aus Pflege- oder Rentenversicherung. Schon heute berichte fast die Hälfte der 55- bis 64-Jährigen von einer langanhaltenden Krankheit, was die enge Verbindung zwischen Gesundheit und Arbeitsfähigkeit im höheren Alter belege.

Die Finanzkommission Gesundheit hat kurzfristigen Handlungsbedarf beziffert und teils weitreichende Einschnitte empfohlen. Klimke und Polyakova plädieren ergänzend dafür, Reformen auch an ihren langfristigen Wirkungen auf Erwerbsfähigkeit, Pflegebedürftigkeit und öffentliche Finanzen zu messen. Dieselbe Person sei im Lebensverlauf Patientin, Arbeitnehmerin, Beitragszahlerin und später möglicherweise pflegebedürftig. Eine Reform, die Ausgaben nur von einer Kasse in eine andere verschiebe, sei keine echte Einsparung für den Sozialstaat.

Gleichzeitig betonen die Autoren, dass ihre Kritik kein Argument für beliebig höhere Gesundheitsausgaben sei. Leistungen ohne nachgewiesenen Nutzen gehörten nicht in die solidarische Finanzierung. Sie schlagen eine Sozialstaatsrechnung vor, die Kosten und Nutzen über Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitsmarktinstitutionen hinweg erfasst.

Quelle:
monitor-versorgungsforschung.de

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