IGES-Studie: Bis 2040 könnten 12.000 Hausarztsitze unbesetzt bleiben
Bis 2040 könnten rund 12.000 Hausarztsitze in Deutschland unbesetzt sein. Eine IGES-Studie zeigt, dass das geplante Primärversorgungssystem mehr als bessere Steuerung braucht…
- Ökonomie
Eine Studie des IGES-Instituts im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung warnt, dass bis 2040 rund 12.000 Hausarztsitze in Deutschland unbesetzt bleiben könnten. Das entspricht jedem fünften Sitz. 2024 waren es bundesweit bereits 4.400 unbesetzte Stellen.
Die Versorgungslage wird sich regional stark unterscheiden. Ländliche Regionen sind besonders betroffen, Großstädte voraussichtlich kaum. Rund ein Fünftel aller Landkreise könnte bis 2040 unterversorgt sein, mit einem Versorgungsgrad unter 75 Prozent. Weitere 15 Prozent der Kreise liegen knapp darüber.
Ursache ist eine Generationenlücke, denn 55 Prozent der heutigen Hausärzte scheiden bis 2040 altersbedingt aus. Den rund 28.300 ausscheidenden Ärzten stehen voraussichtlich nur etwa 25.700 Nachwuchsärzte gegenüber. Die bundesdurchschnittliche Hausarztdichte sinkt dadurch von 62 auf 58 je 100.000 Einwohner. Teile von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg könnten einen Rückgang der Hausarztdichte um 50 Prozent verzeichnen. Bayern und Rheinland-Pfalz hingegen könnten einen Zuwachs von 40 Prozent erreichen.
Strukturell verschiebt sich die Versorgung. Einzelpraxen nehmen ab, Gemeinschaftspraxen und medizinische Versorgungszentren wachsen. Mehr Hausärzte werden angestellt und in Teilzeit tätig sein.
Am Beispiel Baden-Württemberg, wo eine Lücke von 6,5 Millionen Hausarzt-Behandlungsfällen erwartet wird, analysieren die Autoren sieben Einflussfaktoren. Bessere Prävention könnte den Bedarf um 1,5 Millionen Fälle senken. Telemedizin könnte 30 Prozent der Kontakte digital abwickeln. Die stärkere Einbindung nichtärztlicher Gesundheitsberufe, die 16 Prozent der Fälle übernehmen, könnte die Lücke auf 4,4 Millionen Fälle reduzieren. Keine Einzelmaßnahme reicht jedoch aus.
Die Autoren fordern einen Perspektivwechsel. Das Primärversorgungssystem müsse als leistungsfähige erste Versorgungsebene aufgebaut werden, die Anliegen der Bevölkerung umfassend, kontinuierlich und koordiniert behandelt. Bloße Steuerungsoptimierung genüge nicht.
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