Insolvente Lungenklinik wird zum Gesundheits- und Wohnzentrum: Ballenstedt erprobt kommunales Versorgungsmodell
Die insolvente Lungenklinik Ballenstedt wird zu einem kommunalen Gesundheits- und Wohnzentrum umgebaut. Das Projekt gilt als Pilotmodell für die Nachnutzung geschlossener Landkliniken…
- Ökonomie
Die Stadt Ballenstedt im Harz erprobt erstmals in Sachsen-Anhalt ein kommunales Medizinisches Versorgungszentrum in einer ehemaligen Klinik. Die Lungenklinik hatte Ende 2023 Insolvenz angemeldet und geschlossen. Die Evangelische Stiftung Neinstedt baut das Gebäude nun um. Ursprünglich waren zehn Millionen Euro veranschlagt, davon knapp zwei Drittel aus Fördermitteln von Bund und Land. Inzwischen rechnet Stiftungsvorstand Stephan Zwick mit Gesamtkosten von 14 bis 15 Millionen Euro. Die Fördermittel stammen überwiegend aus dem Corona-Sondervermögen und müssen bis Ende 2026 abgerufen sein.
Das frühere Bettenhaus mit 100 Betten soll 25 Seniorenwohnungen beherbergen. Zusätzlich sind Praxen mit sechs Fachärzten, ein Pflegedienst und ein Schlaflabor geplant. Bürgermeister Michael Knoppik (CDU) will unter anderem einen Gynäkologen, einen Lungenfacharzt und einen Kinderarzt anstellen. Die Stadt übernimmt die Trägerschaft des Versorgungszentrums und geht damit ein finanzielles Risiko ein, denn die Wirtschaftlichkeit hängt auch von der künftigen staatlichen Honorierungsregelung ab.
Mark Dominik Alscher, Leiter des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart, schätzt, dass 800 bis 1.000 der rund 1.800 deutschen Krankenhäuser künftig nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden können. Gleichzeitig seien bundesweit 6.000 Arztsitze unbesetzt. Er plädiert für gesetzliche Rahmenbedingungen, die eine Umwandlung von Kliniken in Primärversorgungszentren ermöglichen, bevor diese in die Insolvenz gehen. Das GKV-Stabilisierungsgesetz entziehe dem System jedoch erneut Mittel und finanziere die Primärversorgung weiterhin unzureichend.
Sachsen-Anhalts Ärztekammerpräsident Uwe Ebmeyer sieht in festen kommunalen Anstellungen eine Möglichkeit, junge Ärzte für den ländlichen Raum zu gewinnen. Der Start der ersten Angebote ist für 2027 geplant.
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