Intuition in der Personalauswahl: Warum mehr Bauchgefühl Diskriminierung verstärkt
Prof. Dr. Uwe P. Kanning kritisiert Forderungen nach mehr Intuition in der Personalauswahl als Rückschritt, der Diskriminierung fördert und die Prognosegüte von Auswahlverfahren weiter senkt…
- Personal
Forderungen nach mehr Intuition in der Personalauswahl sind kein moderner Impuls, sondern ein Rückschritt hinter Jahrzehnte empirischer Forschung. Das ist die zentrale These von Prof. Dr. Uwe P. Kanning, Wirtschaftspsychologe an der Hochschule Osnabrück, in seiner Kolumne.
Kanning verweist auf rund 50 Jahre Forschung zur Personaldiagnostik, aus der sich fundierte Handlungsempfehlungen ableiten lassen. Dennoch werde dieses Wissen in vielen Unternehmen kaum genutzt. Statt die Evidenzorientierung zu stärken, fordern manche Stimmen, sie weiter zurückzudrängen.
Die Folgen wären laut Kanning konkret: Bewerberinnen und Bewerber würden verstärkt nach Aussehen, Ähnlichkeit mit Vorgesetzten oder persönlichen Netzwerken beurteilt. Menschen mit Behinderung, ältere Personen und Personen mit Migrationshintergrund hätten geringere Chancen auf einflussreiche Positionen. Frauen und Männer würden häufiger auf traditionelle Berufsbilder reduziert. Führungspositionen würden stärker von Persönlichkeitsmerkmalen wie Dominanz als von fachlicher Eignung abhängen.
Kanning illustriert seine Kritik mit Analogien aus anderen Berufsfeldern. Chirurgie ohne Sterilisation, Rechtsprechung ohne Jurastudium, Brückenbau ohne Statik. In keinem dieser Felder würde man Intuition als Ersatz für Fachwissen akzeptieren. Im Personalwesen, so Kanning, geschehe genau das.
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